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Yoga und der Minimalismus

Seit über 13 Jahren praktiziere ich Yoga. Angefangen habe ich kurz nach der Geburt meines Sohnes auf Empfehlung meines Zahnarztes. Er hat festgestellt, dass ich mit den Zähnen knirsche und empfahl mir Yoga zur Entspannung. Heute – mehr als 13 Jahre später – bin ich Yoga-Lehrerin. Yoga hat mich in mehr als einer Hinsicht gerettet.

Die Anfänge

90 Minuten Pause aus dem Mama- und Arbeitsalltag. Jeder Mutter mit zwei Kindern unter drei Jahren weiß, was das bedeutet. Am meisten freute ich mich immer auf die Schlussentspannung, bei der ich regelmäßig einschlief. Ich sah Yoga als Entspannung an, als Ausgleich.

Ich habe damals an einem VHS-Kurs bei uns im Gemeindehaus teilgenommen. Seitdem durchkreuzte Yoga immer wieder mein Leben. Aus allen möglichen Richtungen kam Yoga immer wieder in mein Leben.

Über die Jahre hinweg nahm es immer mehr Platz in meinem Leben ein. Nicht als Sport oder als Ausgleich, sondern als Lebensstil. 2019 begann ich eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin, primär mit dem Ziel, mehr zu erfahren, einzutauchen in den Lebensstil.

Heute

Heute ist Yoga aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht daran denke, an dem ich nichts darüber lese. Mittlerweile praktiziere ich immer wieder zusammen mit meinem Mann und meiner Tochter, leite Freunde an und meine Arbeitskollegen haben auch angefragt, ob wir nicht eine aktive (Yoga-) Mittagspause kultivieren können.

Yoga in Südafrika
Yoga in Südafrika

Verbindung zum Minimalismus

Wenn ich die Augen schließe und tief ein- und ausatme vor meiner Praxis, fühle ich mich leicht, frei und sehr zufrieden. Ich bin eins mit mir, mit dem Universum mit allen Menschen. Ich spüre so viel Liebe in mir.

Vor ein paar Jahren schwand diese Ruhe und Zufriedenheit jedoch regelmäßig, wenn ich in unser volles Haus zurück kehrte. Je mehr ich mich aber dem Yoga zuwandte, desto mehr verstand ich schließlich, dass alles was ich brauche um zufrieden und glücklich zu sein, in mir liegt. Ich begriff, dass ich Zufriedenheit niemals im Außen finden konnte, niemals in Dingen. An dem Punkt begann ich auszusortieren. Zuerst meine Kleidung, die Bücher, die unglaublich vielen Dinge im Keller. Es folgte die halbe Küche, der Dachboden und vielen andere mehr, bis ich schließlich auch meine alten Fotoalben und andere emotionale Erinnerungen gehen liess.

Als ich mich 2014, nach meiner Depression, der Therapie und der Kur, auf den Weg machte zufriedener zu werden, sah ich einen riesen Berg vor mir, den es zu besteigen galt. Wenn ich heute zurück schaue sehe ich, dass es Aufstiege gibt, aber auch Täler, ich sehe dass mancher Anstieg steiler war und ich sehe die vielen Tränen, die ich auf dem Weg verloren habe.

Heute geht es mir gut, nein, mir geht es sehr gut. Ich bin zufrieden. Aber vor allem weiß ich, was ich brauche, damit ich es bleibe. Auch bei uns gibt es Zeiten, in denen alles drunter und drüber geht und Chaos herrscht. Es gibt Zeiten in denen ich den Kontakt zu mir selbst verliere, weil ich zu viel im Außen unterwegs bin. Und ich weiß, dass ich dann ein Date mit meiner Yogamatte brauche. 20 Minuten Praxis in Verbindung mit dem Atem bringen mich wieder in Kontakt mit mir selbst, mit meinem Innersten. Dann spüre ich, wie meine innere Stimme sagt: Schön dass Du da bist und mir wieder zuhörst.

Probier es aus!

Wenn es Dir nicht gut geht such Kontakt zu Dir selbst und hör Dir zu.

  1. Setz Dich an einen ruhigen Platz, das kann der Boden sein, ein Stuhl, die Natur. Wichtig ist nur, dass Du nicht gestört wirst. Schalte Dein Handy auf stumm.
  2. Schließ Deine Augen und nimm Verbindung zu Deinem Atem auf. Spüre, wie Du einatmest, wohin Dein Atem fließt. Fühle wie Dein Atem wieder ausströmt.
  3. Geh mit Deiner Aufmerksamkeit sanft und liebevoll durch Deinen Körper. Spürst Du Anspannung? Lass sie mit jedem Ausatem weiter los. Was machen Deine Schultern? Hängen sie locker oder hältst Du sie fest? Was ist mit Deinem Kiefer? Mit dem Punkt zwischen den Augenbrauen?
  4. Wenn Gedanken kommen, lass sie gehen. Gerade am Anfang ist es nicht leicht, aber Du schaffst das.
  5. Nach einer Weile kannst Du anfangen Dich zu bewegen, kreise mit dem Kopf, mit dem Oberkörper. Schwinge Deine Arme, immer im Atemrythmus. Bewege Dich von links nach recht. Die Bewegung hilft Dir ruhiger zu werden.
  6. Wenn Du spürst, dass es genug ist, hör auf. Heb die Arme über die Seite, nimm einen tiefen Atemzug. Beim Ausatmen senkst Du die Hände vor die Brust in Gebetshaltung. Schenk Dir selbst ein Lächeln und bedanke Dich bei Dir, dass Du Dir eine kurze Auszeit genommen hast.

Auch wenn es beim ersten Mal komisch war und Du vielleicht das Gefühl hast, dass auf einmal tausende Gedanken auf Dich eingeströmt sind, mit jedem Mal kannst Du besser loslassen. Mit jeder neuen Praxis schenkst Du Dir mehr Ruhe.

Wenn es mir auf Arbeit nicht gut geht, ich im Stress bin und ich merke, es wird zu viel, nehme ich mir eine kurze Auszeit. Ich schließe die Tür und öffne das Fenster um frische Luft hereinzulassen. Dann schließe ich die Augen und atme ganz bewusst, ein und aus, ein und aus. Nach ein paar Atemzügen merke ich, dass ich ruhiger werde. Nach 2-3 Minuten geht es mir wieder gut. Ich bewältige anstehende Aufgaben mit Termindruck viel besser und zufriedenstellender.

Yoga hat mir Zufriedenheit gebracht im Inneren, dann folgte der Minimalismus und brachte Ruhe und Zeit im Außen. Ich weiß, ich bin noch lange nicht am Ende meines Yoga-Weges und auch das Ausräumen geht immer weiter. Aber der Weg dorthin ist fantastisch.

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