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Wie möchte ich arbeiten?

Die zwei Wochen Sommerfreizeit liegen hinter mir. 365 Kinder die betreut wurden, 5 Buslinien mit fast 40 Haltestellen die jeden Tag angefahren wurden, 40 betreuende Personen, ein Küchenteam mit 4 Mitarbeiter*innen, eine Reinigungsfirma…und in mir kommt die Frage auf: Wie möchte ich arbeiten?

Auch wenn meine Vorbereitungen bereits im Januar beginnen sind die Monate Juli und August die arbeitsreichsten des Jahres. Ende August gehe ich in den Urlaub und zu diesem Zeitpunkt bin ich sowohl körperlich als auch psychisch am Limit.

Warum ich gern arbeite!

Dennoch macht mir dieser Bereich meines Jobs großen Spaß. Ich sehe die Leidenschaft der Betreuer*innen, die die Kinder als Ehrenamtliche betreuen. Wenn ich die glücklichen Kinder sehe, die mit anderen Kindern über die Wiese toben, freue ich mich über den Spass, den sie haben. Und ich spreche mit vielen Eltern, die froh sind, ihre Kinder gut betreut zu wissen, denn sechs Wochen Sommerferien sind lang.

Ich arbeite mit viel Herzblut, bereite alles gut vor damit alles reibungslos läuft. Ich bin die “gute Fee” im Hintergrund.

Ein Leben ohne Aufgabe könnte ich mir nicht vorstellen. Ich bin glücklich und stolz, wenn alles funktioniert und ich sehe, wie ein Rädchen ins andere greift. Die Monate der Vorbereitung haben sich gelohnt.

Aber…

Ich merke jedoch auch, dass mich diese Zeit körperlich und auch psychisch sehr mitnimmt. Wir haben derzeit wieder hohe Inzidenzen. Was passiert wenn mir meine Betreuer mit Corona wegbrechen, wenn viele Kinder erkranken? Ich mache mir Gedanken, nicht nur tagsüber, auch nachts. Ich schlafe schlecht und ohne Yoga, Atempraxis und Meditation wäre ich tagsüber nicht so fit. Ende August, wenn ich in den Urlaub gehe, benötige ich oft 1-2 Wochen um überhaupt im Entspannungsmodus anzukommen und während alle den Sommer feiern, weggehen und sich treffen, halte ich meine Kontakte in diesem Jahr gering um nicht auszufallen.

Denn Fakt ist: ich mache diesen Job alleine, ich habe kein Backup. In den vergangenen 12 Jahren ist nichts passiert, aber das heißt ja für die Zukunft nichts.

Bereits seit ein paar Monaten mache ich mir Gedanken, wie lange ich diese Aufgabe noch ausüben möchte. Und damit kommt unweigerlich die Frage: “Was soll ich denn sonst machen?”

Auf Karriere.at hat es eine tolle Checkliste falls Du unsicher bist ob Dich Dein aktueller Job noch erfüllt.

Büro

Wie möchte ich arbeiten?

Wenn ich überlege, was ich sonst machen könnte, kommt als erstes die Frage auf: Wie möchte ich arbeiten? Manche Dinge sind leicht zu beantworten, andere eben nicht.

Ich weiß bereits, dass meine Werte einen großen Einfluss darauf haben, ob ich mit Herzblut und voller Motivation dabei bin oder nicht. Im Bereich der Sommerfreizeit empfinde ich meine Arbeit als sinnvoll, sinnstiftend. Ich identifiziere mich voll damit. In anderen Bereichen meines Jobs – ich habe vier – ist dies nicht so.

Arbeitsumfeld

Eine große Rolle spielt auch das Arbeitsumfeld. Ich arbeite in einem kleinen Team mit flacher Hierarchie, im sozialen Bereich. Meine Kolleg*innen sind alle nett, mit einigen verstehe ich mich richtig gut. Auch wenn nicht alles perfekt ist, ist es doch ein angenehmes Arbeitsumfeld.

Weiterhin kann ich mir meine Arbeit im großen und ganzen selbst einteilen. Diese Flexibiliät und Abwechslung mag ich sehr, denn sie kommt mir und meinen Werten am nächsten. Auch wenn ich kein Homeoffice machen darf, was bei manchen Aufgaben – bei denen ich mich konzentrieren muss – besser wäre, da ich zu Hause mehr Ruhe habe.

Gehalt

Über das Gehalt brauchen wir nicht zu sprechen, ich glaube jeder weiß, dass sich das Gehalt im sozialen Bereich nicht mit dem in der freien Wirtschaft messen kann, aber das war mir im vorhinein klar. Ich glaube auch nicht, dass das Gehalt ein Hauptargument sein sollte.

Dennoch werde ich hier noch einmal in Verhandlung gehen.

Vorteile

Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

  • ich habe einen sicheren Job
  • mein Gehalt kommt immer pünktlich
  • Gleitarbeitszeit
  • 30-Tage Urlaub
  • die Möglichkeit einer beruflichen Rentenversicherung
  • breites Arbeitsfeld – 4 verschiedenen Arbeitsbereiche
  • tolle Kollegen
  • kurze Anfahrt – 15 Minuten mit dem Auto, 30 Minuten mit der Bahn
  • eigenes Büro

Nachteile

Aber natürlich gibt es auch Nachteile:

  • kein Möglichkeit zum Homeoffice
  • niedriges Gehalt im Vergleich zur freien Wirtschaft und meiner Ausbildung
  • ich bin an der Gehalts-Endstufe
  • hoche Arbeitsbelastung durch 4 Arbeitsbereiche
  • fast alleinige Verantwortung in zwei Bereichen
  • kein Backup für meine Arbeitsbereiche

Wie wird es weiter gehen?

Wie es weiter geht, wird sich zeigen. Ich möchte nicht sofort eine Entscheidung treffen, da ich mich akut in einer Stressphase befinde. Ich werde mir auf jeden Fall den Sommer über noch Zeit lassen und in Ruhe darüber nachdenken wie es weitergeht.

Auch werde ich mich damit beschäftigen, was mir wirklich wichtig ist, was ich tolerieren kann und was gar nicht mehr geht.

FAZIT

Meine Kündigungsfrist beträgt mittlerweile 6 Monate. Auf Grund der Tatsache, dass niemand meine Aufgaben übernehmen kann und eine Einarbeitung an meine*n Nachfolger*in zwingend erfolgen muss ist ein vorzeitiger Aufhebungsvertrag eher nicht möglich.

Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der die Sicherheit genießt, habe aber in diesem Jahr zum ersten Mal das Gefühl, dass ein Wechsel vielleicht sinnvoll ist. Da sind einige Dinge über die ich nachdenken möchte in diesem Sommer.

Standest Du schon vor so einer Entscheidung? Wie bist Du damit umgegangen? Eher impulsiv oder geplant? Schreib mir gern.

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