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Unser finanzieller Weg der letzten 13 Jahre

2020 war das Jahr, in dem wir unsere Finanzen auf ganz neue Füße gestellt haben. Voraus ging, dass wir unseren Hausstand halbiert haben. Ob Corona damit etwas zu tun hatte? Definitiv! Unser finanzieller Weg der letzten 13 Jahre.

Hauskauf

Wir haben unser Haus 2008 gekauft, da es vermietet war an langjährige Mieter, hatten diese ein Jahr Kündigungsfrist. Als wir 2009 in unser Haus zogen, hatten wir weder einen Notgroschen noch ein Budget. Die Gehälter kamen aufs Konto und wurden ausgegeben. Unser Haus war vollgestellt mit Kram.

Als die erste Öllieferung fällig wurde, standen wir da und konnten diese nicht zahlen. Ich kann mich noch gut an die Sorgen erinnern, die wir uns machten, weil wir nicht wussten woher wir das Geld nehmen sollen.

Also setzte ich mich an den Laptop und begann zu suchen. Gelandet bin ich auf der chekoch-Seite im Forum. Dort gab es die “Kaufdiät”. Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich etwas von Budget einrichten, monatlicher Sparrate etc.

Das erste Budget

Kurze Zeit später saß ich mit Kontoauszügen von einem Jahr, Papier und Stift am Esstisch und suchte alle Fixkosten raus, die wir hatten. Bis dahin wusste ich nicht wie hoch diese sind. Rückblickend kommt mir das unglaublich naiv vor, aber ich habe nie Finanzwissen beigebracht bekommen, weder zu Hause noch in der Schule.

Zu Hause wurde nie über Geld gesprochen, ich wusste weder was meine Eltern verdienten noch wieviel sie für was ausgaben.

Die erste Budgetversion stand, unsere finanziellen Verhältnisse besserten sich etwas. Wir hatten Budgets für Öl, Wasser und die Versicherungen.

Statistisches Landesamt

Dann bekam ich einen Flyer in die Hand. Das statistische Landesamt sucht Haushalte für die Teilnahme an der Einkommens- und Verbraucherstichprobe. Man müsse drei Monate ein Haushaltsbuch führen und bekam 100,00 Euro für die Teilnahme. Wir haben drei Jahre in Folge teilgenommen und ich habe das erste Mal im Leben Haushaltsbuch geführt.

Auf einmal sah ich wofür wir unser Geld ausgaben. Gefühlt haben wir ja nie was ausgegeben und hatten nie den blassesten Schimmer wo unser Geld hinging. Nun hatten wir es schwarz auf weiß.

Aussortieren

Unsere finanzielle Situation machte Baby-Steps bergauf. Aber noch immer konnten wir uns spontane Dinge wie Urlaub nicht leisten. Wir hatten schlichtweg kein Budget eingeführt.

Wir wollten aber so gern in den Ferien weg. Gleichzeitig war der Keller ein Saustall, vollgestellt bis oben hin – und wir haben einen großen Keller. Ich habe meiner Familie vorgeschlagen, wie verkaufen alles was wir nicht mehr benötigen und mit dem Geld machen wir Urlaub!

Meer

Es kamen die 600 Euro zusammen die wir brauchen und als positiver Nebeneffekt wurde der Keller leerer. Das war der Start, dass wir immer wieder irgendwo aussortiert haben. Das dieses Aussortieren mal das große Ding wird und sich Minimalismus nennt hätte ich nie gedacht.

Die Jahre vergingen und dann kam Corona!

Corona

Auf einmal war kein Urlaub mehr möglich, wir saßen zu Hause fest, durften uns mit niemandem treffen. Ja, uns war etwas langweilig. Gleichzeitig war ich von unserem zu Hause wirklich genervt. Ich habe mich nicht wohl gefühlt. Urlaub war auch so etwas wie eine Flucht, eben weil zu Hause alles genervt hat.

Also habe ich angefangen noch ein wenig mehr auszusortieren…und dann brachen alle Dämme. Irgendwie hat es klick gemacht und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben wirklich hinterfragt. Warum habe ich diesen Gegenstand. Brauche ich das wirklich. Beschäftige ich mich noch damit? Meine Familie dachte zwischendurch, dass ich gar nichts mehr behalten möchte.

All die aussortierten Dinge wollten aus unserem Haus. Einen Teil haben wir verkauft, einen Teil gespendet oder verschenkt und einen Teil entsorgt. Der positive Nebeneffekt, wir hatten Einnahmen.

Flohmarkt

Parallel dazu habe ich auf Spotify Finanzratgeber entdeckt und bin auf den Blog von Oliver gestossen.

Nach einigen Wochen – Mitte des Jahres 2020 – fing ich an, mich mit dem Thema ETFs, Frugalismus parallel zum Minimalismus und Finanzen im Allgemeinen auseinander zu setzen.

Neuordnung unserer Finanzen

Darauf folgte eine komplette Neuordnung unserer Finanzen. Was vorher so nebenbei lief, wurde nun noch einmal komplett auf den Prüfstand gestellt, mit der Folge, dass wir unsere Sparquoten stark erhöht haben. Wir leben nun gefühlt besser als vorher, sparen aber mehr.

Mit der Neuordnung unserer Finanzen haben wir uns endlich richtige Ziele gesetzt. Da wir nun Ziele haben, auf die wir hinarbeiten, fällt es uns leicht unser Budget einzuhalten. Da wir uns nun in unserem Haus – das so schön übersichtlich und hell ist – sehr wohl fühlen und uns auch persönlich stark weiterentwickelt haben und zufriedener sind, verreisen wir nicht mehr in allen Ferien. So greift ein Rädchen ins andere.

Wo stehen wir heute?

Wir sind den klassischen Weg gegangen. Wir haben unsere Fixkosten überprüft und optimiert. Danach haben wir uns einen Überblick darüber verschafft, was wir jeden Monat variabel ausgeben. Auf Basis dessen wurde ein Budget erstellt. Wir haben versucht, in den verschiedenen Bereichen zu sparen und zu optimieren, kamen aber natürlich irgendwann an unsere Grenzen.

Als wir dies begriffen hatten, wussten wir, dass wir nun unsere Einnahmen erhöhen dürfen und wollen. Ich schreibe dies bewusst, denn gemüsst hätten wir es nicht. Wir könnten auch so gut leben, aber unser Ziel war ein anderes.

Im Mai habe ich mich nebenberuflich selbstständig gemacht. Ich liebe und lebe Yoga. Ich möchte diese positiven Erfahrungen am liebsten an die ganze Welt weitergeben. In meinen Yoga-Kursen geht es um viel mehr als die Bewegung. Sie können lebensverändernd wirken und Dich in Deiner persönlichen Einwicklung unterstützen. Weil ich dazu noch ein sehr ehrlicher Mensch bin, wollte ich alles auf “ordentliche Füße” stellen.

Gleichzeitig beschäftige ich mich schon lange mit Edelsteinen und Hölzern und der Wirkung auf den menschlichen Körper und die menschliche Psyche. So kamen meine Tochter und ich auf die Idee, einen kleinen Webshop zu eröffnen. Wir entwerfen und fertigen unsere Armbänder mit viel Liebe und Hingabe und sind unglaublich glücklich, wenn uns unsere Kunden erzählen, welch positven Effekt ihr Armband hat, wie gut es ihnen gefällt oder wie sehr sich der Beschenkte gefreut hat. Die Selbstständigkeit ist der perfekte Ausgleich zu meinem fordernden Hauptberuf im sozialen Bereich.

Veränderungen!

So stehen immer wieder Veränderungen in unserem Leben an. Sei es finanziell, persönlich oder beruflich. Alles hat aber ein Ziel:

Ich wünsche mir ein Leben, von dem ich keinen Urlaub benötige.

unbekannt

Ich habe dies schon an anderer Stelle geschrieben und werde nicht müde es zu wiederholen. Du und ich, wir sind auf dieser Welt einzigartig. Wir haben ein einziges Leben. Wir leben in einem freien Land, in dem wir alle Möglichkeiten haben. Dies ist einerseits eine riesen Chance für uns, denn wir können alle unsere Träume wahr machen. Andererseit ist es aber auch ein Fluch, denn wir haben die Qual der Wahlmöglichkeiten.

Sich in diesem Chaos aus Einflüssen von Außen, Wünsche ausgelöst durch Werbung und den eigenen Träumen zurecht zu finden ist nicht einfach und dauert. Ich habe lange gebraucht um den jetzigen Punkt zu erreichen, um zufrieden und glücklich zu werden.

Doch es lohnt sich. Mein Leben ist bunt und turbulent, aber auch ruhig und nachdenklich, je nachdem wie ich es gerade möchte. Ich bin der Bestimmer meines Lebens und es ist toll, auf all die großen und kleinen Veränderungen zu blicken.

Vielen nahm seinen Anfang im Minimalismus bzw. im Aussortieren, denn damals wusste ich ja nicht wie es heisst. Es sind verschiedene Aspekte dazu gekommen und ich bin unglaublich neugierig wohin unser Weg uns noch führt.

Wie ist es bei Dir? Lebst Du Dein Leben? Oder gibt es da noch Entwicklungspotenzial?

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2 Kommentare

  1. Hallo Julia,
    leider ist das Thema Finanzen in der Schule nicht auf dem Lehrplan, da sollte es ganz weit oben stehen. Nicht alle Eltern können oder wollen das vermitteln, über Geld spricht man nicht. Mein Erzeuger hilt es sogar für eine gute Idee, für mich die Steuererklärung zu machen als ich noch ganz jung war (wahrscheinlich konnte er so etwas absetzen). Habe mir später alles selbst beigebracht. Zum Glück ist das heutzutage kein Problem mehr und das Denken hat sich gewandelt.
    Liebe Grüße
    Vanessa

  2. einfachfreileben einfachfreileben

    Hallo Vanessa,

    leider hat sich das Denken nicht bei allen gewandelt. Ich sehe es in meinem Bekanntenkreis. Auf die Frage “Wissen Eure Kinder was ihr verdient?” kommt oft, “Nein, warum, das geht sie nichts an”. Auf die Rückfrage meinerseits: “Wieso? ” wissen sie oft keine Antwort oder sagen, das ist eben so. Ich glaube hier werden ganz viele Glaubenssätze von den Eltern übernommen. “Über Geld spricht man nicht” ist so einer.
    Liebe Grüße Julia

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