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Stress – wenn der Körper streikt!

Gerade habe ich diesen Artikel geschrieben, da habe ich die Blogparade von Anette entdeckt und ich finde, dieses Thema passt wunderbar! Denn gerade ist es etwas ruhiger bei uns. Der Alltag hat uns wieder, Arbeit, Schule usw., aber das ist nicht der Grund. Mein Körper haut gerade die Vollbremsung rein und ich versuche, irgendwie wieder auf die Beine zu kommen. Der Stress der letzten Monate fordert nun seinen Tribut.

Wenn mich jemand gefragt hat: Wie geht es Dir? habe ich oft geantwortet: Gut, danke!
Eben auch dann wenn es mir nicht gut ging. Manchmal wollte ich keine Diskussionen, manchmal wollte ich es nicht erzählen, in einigen Fällen habe ich auch gedacht “Eigentlich geht es mir doch gut”. Aber nein, mir geht es gerade nicht gut.

Vor dem Urlaub

Wie ich bereits hier erwähnt habe, sind die Sommer für mich anstrengend. Als alleinige Organisatorin einer großen Sommerfreizeit – ohne Backup – habe ich in normalen Jahren bereits viel zu tun und eine Menge Verantwortung. Dieses Jahr kam die aufkommende Corona-Welle hinzu.

Ich identifiziere mich mit diesem Teilbereich meiner Arbeit, ich finde diesen Bereich sinnvoll, weil ich direkt sehe, wie glücklich die Kids im Sommer sind. Es ist toll, dass die Eltern ihre Kinder ganztägig gut versorgt wissen. Aber es ist eben auch eine Menge Arbeit.

Auf Grund der Corona-Welle habe ich mich – was Veranstaltungen angeht – zurückgezogen. Dinge, die mir Energie und Kraft geben im Alltag, fielen weg. Nur allein aus dem Grund, weil ich kein Back up habe. Falle ich aus – womöglich länger – gibt es niemanden, der übernehmen kann.

Das dies ein Zustand ist, der nicht gut läuft, weiß ich und ich habe bereits ein Gespräch mit der Geschäftsführung terminiert.

Nach der Sommerfreizeit – die super gelaufen ist – habe ich zuerst nicht gemerkt, wie starkt der Stress mir zusetzt. Der Urlaub stand an und wir waren einfach freudig aufgeregt.

Im Urlaub

Doch bereits im Urlaub machten sich erste Zeichen bemerkbar, ich schlief schlecht, hatte öfter Kopfweh und knirschte stark mit den Zähnen, alles Stress-Symptome.

Ich habe versucht es auszugleichen durch einen Wechsel aus Entspannung und Aktivität, wir haben den Urlaub wirklich genossen, waren viel am Meer und hatten Spaß. Wir haben viel gelacht, gespielt, waren essen, aber wirklich erholt war ich nach diesem Urlaub gefühlt nicht.

Nach dem Urlaub

Wieder zu Hause machte sich mein Körper richtig bemerkbar. Die letzten drei Urlaubstage hatte ich Hammer-Kopfschmerzen. Da ich mich selbst auf Kaffee-Entzug gesetzt hatte, hielt ich es für Nebenwirkungen. Meine Laune war zudem im Keller und an meinem letzten Urlaubstag schlief ich vormittags und nachmittags noch einmal ein trotz 10 Stunden Schlaf in der Nacht.

Ein Arzttermin brachte nicht viel Neues. Die Ärztin äußerte einen Verdacht auf Long Covid, allerdings hatte ich noch kein Corona. Alle Werte im Bluttest waren normal und – wie ich ihr auch sagte – keine Antikörper die auf eine Corona-Infektion hindeuten.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Ich bekam schlimme Magen-Darm-Probleme, wurde drei Tage krank geschrieben. Kaum ging es mir wieder soweit gut, bekam ich starke Schmerzen in der Hüfte und bin zum Notdienst ins KH. Diagnose: Entzündung im linken Hüftgelenk. Als die Schmerzen abklangen, zog ich mir eine Erkältung zu und spätestens da war klar: Mein Körper setzt Grenzen!

Die Hüfte aus yogischer Sicht

Jedes Symptom im Körper kann – aus psychosomatischer Sicht – einem Auslöser zugeordnet werden. Die Hüfte steht für Stress und Emotionen.

Bereits in den vergangenen Jahren habe ich beim Yoga gespürt, dass die Hüfte meine Schwachstelle ist, ich hier oft Blockaden hatte. Und auch dieses Mal hat es sich bewahrheitet.

Das gute Daran?

Ich bin grundsätzlich Optimistin und glaube, dass alles was passiert auch etwas Gutes hat. Mein Körper macht mir deutlich: Du hast Dich übernommen, kümmere Dich besser um Dich selbst.

Wenn wir in Stresssituationen sind ist sowohl Cortisol als auch Adrenalin erhöht und sorgt dafür, dass vieles Andere unterdrückt wird. Dass mein Körper mir nun deutlich Signale gibt ist ein Zeichen dafür, dass ich “jetzt die Zeit habe”.

Aber das Wissen alleine reicht nicht! Was mache ich denn jetzt?

Wie kümmere ich mich gut um mich selbst?

Annehmen was ist

Der erste Schritt war, mir einzugestehen, dass die Situation momentan gerade eben so ist wie sie ist. Das bedeutet, anzuerkennen, dass ich eben nicht so leistungsfähig bin wie sonst. Und das bedeutet auch um Hilfe zu bitten, zugegebenermaßen ist das nicht meine Stärke. Ich wurde mit dem Glaubenssatz erzogen, dass ich alles alleine schaffen muss, denn nur so kann ich mich darauf verlassen, dass auch alles gemacht wird. Hier zuzugeben, dass ich es nicht schaffe, kostet mich Mut und Überwindung.

Signale meines Körpers wahrnehmen

Der zweite Schritt ist, gut in mich hineinzuhören und die Signale meines Körpers deutlich wahrzunehmen. Bin ich müde? Dann lege ich mich eine halbe Stunde hin (sofern es geht). Ist mir alles zu viel im Büro, dann mache ich einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause, alleine. Ich habe keine Lust auf irgendwas und fühle mich erschöpft? Das ist ok, dann ruhe ich mich aus (passiert mir derzeit oft am Wochenende an einem der beiden Tage).

Energieräuber

Als nächsten Schritt überlege ich, was mir Energie raubt und welche Termine ich streichen oder delegieren kann.

Unsere Tochter ist in der 11. Klasse und es gab einen Gesamtelternabend. Ich war an dem Tag beim Arzt und mir wurde Blut abgenommen. Meine Tochter war schon traurig, weil wir uns den ganzen Tag immer wieder verpassen würden. Also habe ich sie gefragt ob es ihr wichig ist, dass ich zum Elternabend gehe (mein Mann konnte nicht, er war beim Elternabend des Sohnes). Da unsere Tochter sowieso vieles alleine regelt und wir uns total auf sie verlassen können und da auf der Einladung nur Punkte waren, die ich schon kannte, wäre meine Anwesenheit nicht nötig gewesen. Ich wollte ihr aber auch nicht das Gefühl geben, dass es mir nicht wichtig ist.

Ihr war es lieber, dass wir uns abends sehen und ich zu Hause bin. Also habe ich den Termin sausen lassen. Die Mutter ihrer Freundin erzählte später, dass es nichts Neues gab, also war es ok.

Energiespender

Nachdem ich mir überlegt habe, welche Dinge mir Energie rauben, kam nun die Überlegung, was mir Energie gibt. Das ist in so einer Situation in der ich mich gerade befinde nicht so einfach. Mein Körper möchte am Liebsten nur ausruhen, aber das ist nicht immer optimal, denn das ausruhe auf dem Sofa hilft zwar bei der aktuen Erschöpfung, gibt mir aber keine Energie, wenn Du verstehst was ich meine.

Wir haben vor zwei Wochen eine Bunkerführung in Stuttgart-Feuerbach besucht, es war ein Geburtstagsgeschenk für meinen Mann. Vorher war ich müde und hätte mich am Liebsten hingelegt. Nach der Führung und dem anschließenden Essen im Osmali – ich kann das Restaurant wirklich wärmstens empfehlen – ging es mir dann super. Ich war fit, glücklich und denke noch heute gern zurück.

Energiespender sind unter Anderem für mich:

  • ein Besuch der Mineraltherme
  • Yoga unterrichten
  • Yoga praktizieren
  • Zeit für mich, zum Schreiben, Musik hören z.B.
  • Tanzen
  • mit Familie oder Freunden unterwegs sein
  • spazierengehen mit meinem Mann
  • Zeit mit meinem Kindern
  • in Stuttgart untewegs sein – ich liebe Stuttgart, wobei es eine Liebe auf den zweiten Blick ist;)

Ärtzliche Begleitung

Wichtig ist auch, durch einen Arzt abchecken zu lassen, dass körperlich soweit alles i.O. ist. Ich habe meine Bauchschmerzen durch einen Gastroenterologen abklären lassen. Mein Hausarzt hat meine Blutwerte gecheckt. Mit den Symptomen einer Depression kenne ich mich aus, so kann ich sicher sein, dass das auch nicht dahinter steckt.

Alkoholfrei!

Ein wichtiger Punkt ist auch Alkohol. Alkohol ist eine Gesellschaftsdroge. Es gibt kaum etwas – außer rauchen vielleicht – was mehr toleriert wird. Stress? Ein Gläschen zur Entspannung. Eine Feier? Ein Glas zum Anstoßen! Ob in Firmen oder im privaten, Alkohol spielt überall mit.

Wir haben unseren ersten komplett alkoholfreien Urlaub seit langem hinter uns. Nicht dass wir vorher ständig getrunken hätten oder überhaupt mal betrunken waren. Aber ein schönes Essen ohne Alkohol? Urlaub ohne den Cocktail?

Uns ist in diesem Jahr aufgefallen, wie viele Menschen bereits vormittags am Strand Alkohol trinken.

Ich vertrage Alkohol schlecht! Trinke ich vormittags ein Glas Sekt – wie es in vielen Firmen bei Feiern normal ist – muss ich mich danach hinlegen und schlafen. Daher ist der komplette Alkoholverzicht für mich nicht dramatisch. Und auch wenn Alkohl auf den ersten Blick entspannen mag, ist er ein Gift für unseren Körper. Er macht müde, da uns die Tiefschlafphase fehlt. Regelmäßig getrunken erhöht er das Krebsrisiko, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nervenschädigungen. Aber das Gravierendste ist, dass Alkohol die Persönlichkeit verändert.

Natürlich wird so auch nichts weichgespült, manche Abende bleiben einfach langweilig und wir gehen eher. Aber es überwiegen deutlich die Vorteile.

Gesunde Ernähung

Ein weiterer Punkt, den ich nicht müde werde zu erwähnen, ist die gesunde Ernährung. Damit wir als Mensch auch körperlich leistungsfähig sind, benötigen wir Vitamine und Mineralstoffe in der für unseren Körper ausreichender Menge. Vor allem B-Vitamine helfen uns in stressigen Zeiten (Haferflocken sind eine tolle Vitamin-B-Quelle).

Also spielt die gesunde Ernährung bei uns eine wichtige Rolle. Wir erhalten wöchentlich unsere plastikfreie Biokiste und essen saisonal und regional. Die meisten Tage essen wir vegan, nicht weil wir Veganer sind, sondern weil eben viele Gerichten von Natur aus vegan sind. Ab und zu essen wir Käse. Ich habe mein Frühstück aus Haferflocken wieder eingeführt. Da es aus ayurvedischer Sicht für mich besser ist, warm zu frühstücken, ich aber morgens um sieben noch nichts essen kann, koche ich mein Frühstück zu Hause und nehme es mit*. Wenn ich im Büro Hunger bekomme, esse ich es direkt warm. Wir haben uns diese Thermos-Behälter * vor einiger Zeit – vor allem für die Kids und die Mittagsschule – gekauft, da unsere Tochter nicht gern in der Mensa isst. Das Essen ist mittags noch heiss, wenn wir es morgens frisch einfüllen. Ich kann die Behälter absolut empfehlen. Wir haben schwarz und rot.

Und weiter?

Wie es weiter geht, sehe ich nun von Tag zu Tag. Ich versuche mich in Geduld zu üben, manchmal ist es etwas schwierig. Ich kann kein Yoga praktizieren wegen meiner Hüfte und Yoga fehlt mir. Dafür gehe ich viel spazieren, atme und halte immer mal wieder inne.

Im November habe ich eine Woche frei, zuerst wollten wir wegfahren, aber wir haben uns entschieden hier zu bleiben und die Zeit zu Hause – und in Stuttgart – zu geniessen. So kommen wir weiter zur Ruhe.

Ich bin mir sicher, dass ich wieder fit und leistungsfähig werde, aber es wird dauern. Ich werde auch in meinem Gespräch mit der Geschäftsführung dieses Thema noch einmal ansprechen. Gleichzeitig läuft ein Antrag auf Kur bei meiner Krankenkasse.

Lies Dir gern auf Anettes Blog in den Kommentaren durch wie es anderen geht. Und überlege Dir das nächste Mal, wenn jemand Dich fragt, wie es Dir wirklich geht.

Wie geht es Dir? Hast Du stressige Zeiten? Sagt Dir Dein Körper wann es zu viel ist?

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6 Kommentare

  1. Das kenne ich nur zu gut, da muss ich auch noch an mir arbeiten.

    • einfachfreileben

      Liebe Leona,

      zu sehen, dass etwas nicht stimmt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.
      Ich wünsche Dir alles Gute.

      LIebe Grüße
      Julia

  2. Hallo Julia,
    das tut mir leid, zu lesen dass es dir gerade nicht so gut geht. Manchmal ist man einfach so ausgelaugt, das der Körper sich durch ein bisschen Urlaub nicht mehr besänftigen lässt. Aber ich finde es bewundernswert, wie bewusst du damit umgehst und dir die Zeit und Aufmerksamkeit nimmst, die es jetzt braucht.
    Der Tipp mit dem Bunker ist klasse, den speichere ich mir gleich ab. Ich liebe Geschenke, von denen ich auch etwas habe .
    Liebe Grüße und gute Besserung
    Vanessa

    • einfachfreileben

      Liebe Vanessa,

      das wird schon wieder. Ich brauche nun einfach mehr Ruhe, mir war bereits vor dem Urlaub irgendwie klar, dass es nicht reichen wird. Deshalb versuche ich nun auch alles langsamer anzugehen. Ich glaube, wenn man selbst spürt, da stimmt was nicht, ist noch Zeit zu handeln.
      Dir ein schönes Wochenende
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Liebe Julia,
    tut mir leid, dass es Dir gerade nicht gut geht! Und Respekt dafür, dass Du hier so offen darüber schreibst. Ich wünsche Dir schnelle und gute Besserung!
    Nimm Dir jetzt Zeit für Dich, für das, was Dir gut tut und viel Ruhe. Ich glaube, Du unternimmst schon die richtigen Schritte.
    Schicke Dir ganz viel Energie 🙂
    Herzliche Grüße
    Rebecca

    • einfachfreileben

      Liebe Rebecca,

      danke Dir.
      In der heutigen Zeit ist es leider oft so, dass jeder “stark” sein muss. Vor allem wir Frauen müssen immer alles geregelt bekommen. Aber es gibt eben auch andere Zeiten. Und das bedeutet nicht, dass wir schwach sind.
      Gestern waren wir in Stuttgart, ein wundervoller Tag und ich sass abends ganz glücklich auf dem Sofa. Heute geht es mir richtig gut, auch wenn ich bis abends arbeiten muss;)

      Liebe Grüße
      Julia

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