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Wie Du auf Reisen bei Dir ankommst!

Heute gibt es hier auf dem Blog einen weiteren Gastartikel von Rebecca Keller vom Blog www.frei-mutig.de.

Desto weiter ich reise, desto näher komme ich an mich heran.

Andrew McCarthy (Reiseautor)

Reisen: Flucht oder Zuflucht?

Ist Reisen nur eine Flucht vor uns selbst oder ein gutes Mittel, um genau dort anzukommen? Ich denke, beides ist möglich. Letztlich kommt es darauf an, mit welcher Einstellung wir unterwegs sind.

Reisen kann uns für eine gewisse Zeit von den Problemen ablenken, die wir zu Hause haben. Doch selbst die längste Reise geht irgendwann zu Ende. Und wäre es nicht schön, man käme nicht nur mit einem Berg Wäsche, sondern auch mit neuen Erkenntnissen zurück?

Wie muss man reisen, um unterwegs etwas mehr über sich selbst zu lernen?

Begegnung mit dem Unbekannten

Grundsätzlich bieten sich uns auf Reisen – egal ob nah oder fern, kurz oder lang, luxuriös oder schlicht – ideale Möglichkeiten, um uns selbst besser kennenzulernen. Die Zeit, die wir sonst gehetzt im Hamsterrad aus Arbeit und Ablenkung verbringen, wird auf Reisen plötzlich freigelegt. Wer will, kann sie dazu nutzen, etwas mehr über die eigenen Vorlieben und Bedürfnisse zu lernen.

Den Freiraum im Urlaub müssen wir bewusst zulassen. Wer eine Reise schon im Vorfeld wie ein Projekt zeitlich durchorganisiert, am Urlaubsort von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten eilt und davon ausgeht, dass alles wie zu Hause ist – nur mit schönerem Wetter -, dem entgeht dagegen mit das Beste am Reisen. Sind es doch gerade die ungeplanten,
unerwarteten, überraschenden Momente und Begegnungen, die das Unterwegssein zu etwas Besonderem machen.

Selbst wer nicht den standardisierten All Inclusive-Cluburlaub bucht und sich lieber seine Reise individuell zusammenstellt, lernt in der Ferne noch nicht automatisch mehr über sich selbst. An exotischen Destinationen lockt die perfekte Kulisse zum Teilen mit der digitalen Welt. Und auch am paradiesischen Südseestrand können uns altbekannte Sorgen, Probleme und Ängste überkommen. Regst Du Dich auch am üppigsten Frühstücksbuffet noch über das Verhalten anderer Reisender auf?

Unserer Einstellung können wir nicht entfliehen, egal wie weit wir fliegen.

Wenn wir aber acht geben, eröffnen sich in einer neuen Umgebung und ohne die alltäglichen Verpflichtungen und Gewohnheiten ungeahnte Möglichkeiten, schnell zum Kern unserer Persönlichkeit vordringen. Denn das Unbekannte, dem wir auf Reisen begegnen, fragt unentwegt: Was möchtest Du? Wen magst Du? Wer bist Du eigentlich? Lassen wir die Antworten zu.

Besser alleine reisen

Das Wichtigste gleich vorweg: Die Reisen, auf denen ich am meisten über mich selbst gelernt habe, habe ich immer alleine unternommen. Ich weiß, dass es viel Mut erfordert und ein Mehr an Organisationsaufwand bedeutet, ohne Begleitung zu verreisen. Doch die größere Eigenverantwortung zahlt sich auf Reisen auch in einem Mehr an Freiheiten und Chancen aus. Falls Du dem Single Travelling bislang skeptisch gegenüber stehst, lohnt es sich, die Vorteile zumindest einmal in Erwägung ziehen:

Wer alleine verreist, muss sich nach niemandem richten (außer vielleicht nach allgemeinen Öffnungszeiten). Allein durch diese Unabhängigkeit von anderen kommst Du dem, was Du gerne magst und was Du lieber sein lässt, schon ein Stück näher.

Wenn Du alleine unterwegs bist, entscheidest Du alleine darüber, wie Du Deinen Tag gestaltest. Genauso entscheidest Du, worauf Du lieber verzichtest. Ohne mitreisende Familienmitglieder oder Freunde liegt es allein in Deiner Hand, wie lange Du schläfst, ob Du bestimmten Interessen nachgehst oder lieber die Seele baumeln lässt. Was möchtest Du heute unternehmen – baden, lesen, spazieren gehen, an einer Stadtführung teilnehmen, ins Museum gehen oder doch lieber die ganze Nacht durchtanzen? Vielfältige Optionen stehen Dir offen und Du darfst entscheiden.

Einmal habe ich zum Beispiel alleine ein langes Wochenende in ein Hotel im Sauerland mit nahe gelegenem Reitstall verbracht. Zweimal habe ich die Chance genutzt und an Ausritten teilgenommen. Jede Minute in der freien Natur habe ich genossen. Hätte mich hingegen mein Freund auf diesen Urlaub begleitet, hätte ich wahrscheinlich aus Rücksicht
auf ihn nicht so viel Zeit mit den Pferden verbracht.

Wo soll es hingehen?

Bereits bei der Auswahl Deines Reiseziels und der Art des Reisens kannst Du etwas über Dich lernen, nämlich was Du gerade brauchst und worauf Du genau in diesem Lebensabschnitt Lust hast. Ist Dir eher nach einem Aktivurlaub oder Erholung am Strand?
Möchtest Du Deine Fitness verbessern, etwas Neues lernen oder einfach nur Deine Ruhe haben? Je nachdem, wo Deine aktuellen Interessen und Bedürfnisse liegen oder was Dir derzeit im Alltag zu kurz kommt, mag Deine Antwort ganz individuell ausfallen. Trau Dich, die dazu passende Urlaubsform zu wählen, auch wenn Du sie bislang noch nie
ausprobiert hast.

Im Urlaub können wir wie im Zeitraffer erleben, welche Auswirkungen kleine Veränderungen auf unseren Körper und unser Wohlbefinden haben können. Deshalb legst Du schon bei der Urlaubsplanung die Weichen für das, was Dir im besten Fall auf Reisen passieren wird.

Auf einem 8-tägigen Wanderurlaub durch den Teuteburger Wald bin ich beispielsweise zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben mehr als einen Tag am Stück gewandert. Während der Wanderung habe ich viel über meinen Körper gelernt. So habe ich (auch dank Blasen und Muskelkater) herausgefunden, wie weit ich an einem Tag gehen kann, wie viele Pausen mein Körper zwischendurch braucht und wie zufrieden es sich nach einem langen Tag auf den Beinen einschläft.

Bei einem anderen Urlaub in einem Yoga-Retreat konnte ich durch die tägliche Atempraxis und Yoga-Einheiten bereits nach wenigen Tagen beobachten, wie meine Gedanken immer mehr zur Ruhe kommen. Nach einer Woche fühlte ich mich so erholt wie lange nicht mehr.

Begegnung mit anderen

In der Begegnung mit anderen lernen wir auch immer ein wenig über uns selbst. Und wer alleine reist, ist offener gegenüber neuen Begegnungen.

Du brauchst keine Angst zu haben, lange alleine zu bleiben – obwohl Du natürlich auch für Dich bleiben kannst, wenn Du das möchtest. Ohne Begleitperson ergeben sich auf jeden Fall viel mehr Gelegenheiten und Anlässe, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Es lässt sich einfach leichter ein Gespräch beginnen, gerade mit Menschen, die auch alleine
reisen. Bei meiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg war es zum Beispiel ganz normal, sich mit anderen Pilgern auszutauschen.

Du traust Dich nicht, auf andere Menschen zuzugehen? Stell anderen Reisenden einfach eine Frage zur Umgebung, erkundige Dich nach ihren bisherigen Erfahrungen vor Ort und schenke ihnen ein Lächeln. Ich garantiere Dir: Dein Gegenüber wird Dir dankbar sein, dass Du die Initiative ergreifst!

Natürlich wirst Du auf Reisen – genauso wie zu Hause – sowohl Menschen kennenlernen, die zu Dir passen, als auch solche, die Dir weniger sympathisch sind. Doch je aufmerksamer Du bist, umso genauer wirst Du spüren, wer auf einer Wellenlänge mit Dir reitet und mit wem Du vielleicht mehr Zeit verbringen möchtest. In jedem Fall habt ihr
schon etwas gemeinsam, wenn ihr am selben Ort Urlaub macht . Vielleicht verbinden Dich ja noch mehr Interessen mit Deinen Mitreisenden? Finde es durch Fragen heraus!

Auch der Kontakt zu Einheimischen ist wertvoll, wenn Du alleine reist. Die Menschen, die dort leben, wo Du Urlaub machst, können Dir nicht nur dabei helfen, Dich zu orientieren. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Du im Gespräch mit Passanten, Servicekräften oder Verkäufern persönliche Tipps für Deinen Aufenthalt bekommst und neue Möglichkeiten
entdeckst, die Welt zu sehen.

Auf Reisen lernen wir andere Lebensgewohnheiten, Bräuche und Kulturen hautnah kennen – Menschen verwenden andere Begrüßungsrituale, kleiden sich ungewohnt, feiern Feste auf ihre eigene Weise und finden unbekannte Gerichte richtig lecker. Der Kontrast zu unserem bekannten Leben sagt uns viel über uns selbst: Welche Rituale und Gewohnheiten sind mir wichtig? Was finde ich schön? Wie offen begegne ich Neuem?

Reisen ist so viel mehr als der Aufenthalt an einem anderen Ort. Reisen zwingt uns dazu, uns in der Fremde zurecht zu finden und öffnet dadurch unsere Augen für die Dinge, die wir zu Hause oft nicht mehr wahrnehmen.

Etwas anders machen

Einer der großen Vorteil beim Alleinereisen: Niemand kennt Dich. Es gibt also keinen Grund, Dich zu verstellen. Du kannst ganz natürlich Du selbst sein – oder Dich sogar neu erfinden. Niemand hat Dich hier als „schüchtern“, „redselig“ oder als „Frühaufsteher“ abgestempelt. Warum also nicht einmal etwas anders als sonst machen und aktiv auf Leute zugehen, einen Tag im Kloster schweigen oder die Nächte durchtanzen? Ohne die Erwartungshaltungen anderer entdeckst Du unterwegs vielleicht eine ganz neue Seite an Dir.

So gesehen können Reisen auch den idealen Rahmen bieten, um Verhaltensänderungen zeitweise auszuprobieren. Egal, ob es um eine andere Ernährungsweise, eine neue Sportart oder Deinen Schlafrhythmus geht. Reisen ist eine gute Gelegenheit, alte Gewohnheiten abzulegen und durch neue Gewohnheiten probeweise zu ersetzen. Was würdest Du gerne einmal anders machen?

4 Tipps, wie Du Reisen am besten nutzen kannst, um zu Dir zu finden

Damit Du Deine nächste Reise gezielt dafür nutzen kannst, um näher bei Dir anzukommen, habe ich ein paar Tipps zusammengestellt. Sie helfen Dir dabei, den Prozess des Bei-Dir-Ankommens zu unterstützen:

1. Nimm möglichst wenig Gepäck mit – im Koffer wie im Kopf.

Versuche unterwegs nur mit dem Nötigsten auszukommen. Dadurch wirst Du Dich im Urlaub weniger belasten. Wie Du mit wenig Gepäck auskommst, habe ich in diesem Artikel beschrieben.
Von Wanderungen weiß man ja, dass weniger Gepäck alles leichter macht. Doch auch wenn Du im Hotel Urlaub machst, profitierst Du von einem kleinen Koffer: Du hat weniger zu schleppen, musst weniger ein- und auspacken, die morgendliche Kleiderwahl fällt leichter und vielleicht sparst Du sogar einen Gepäckaufpreis am Flughafen!
Geistiges Gepäck sparst Du Dir auf Reisen, indem Du vor der Reise eilige Dinge erledigst und die Vertretung für die Zeit Deiner Abwesenheit regelst. Am besten klärst Du auch im Vorfeld, wie Du im Notfall erreichbar bist bzw. ob man Dich zu bestimmten Zeiten erreichen kann.

2. Nutze die Zeit für ein Digital Detox

Apropos Erreichbarkeit: Die digitalen Medien sind unterwegs super praktisch – Adressen, Öffnungszeiten und Bewertungen lassen sich in Sekundenschnelle nachschauen. Allerdings: Jedes Mal, wenn Du auf den Bildschirm blickst, bekommst Du nicht mehr mit, was in Deiner Umgebung passiert. Du verpasst wertvolle Momente, auf die Du Dich lange
gefreut hast, für die Du vielleicht Schlange gestanden hast oder für die Du sogar Eintritt bezahlt hast.
Besser, Du schaltest das Smartphone auf Reisen öfter in den Ruhemodus oder lässt es hin und wieder ganz auf dem Hotelzimmer liegen.

3. Plane das Unplanbare ein

Kennst Du das? Oft nimmt man sich viel zu viele Aktivitäten für den Urlaub vor. Tatsächlich stellt man dann irgendwann frustriert fest, dass in der kurzen Zeit maximal die Hälfte aller Pläne umsetzbar ist. Urlaubsstress ist vorprogrammiert.
Auch wenn es am Ziel viel zu sehen gibt, ist es deshalb besser, Du planst im Vorhinein nur wenige Unternehmungen ein. Dann hast Du mehr Zeit, die einzelnen Highlights (auch spontan) zu genießen. In Ruhe im Café einen Cappuchino zu trinken und flanierende Menschen zu beobachten oder faul am Pool zu liegen braucht einfach seine Zeit.

4. Schreibe Tagebuch

Wer im Alltag nicht dazu kommt Tagebuch zu schreiben, kann im Urlaub dieses großartige Ritual pflegen. Zumal es uns auf Reisen oft leichter fällt – schließlich gibt es viele neue Erlebnisse festzuhalten. Im Rückblick kannst Du dann noch lange in schönen Urlaubserinnerungen schwelgen und Dich auch Jahre später an besondere Einsichten erinnern.

Es reicht schon aus, wenige Zeilen am Ende eines Urlaubstages schriftlich festzuhalten. Beantworte zum Beispiel stichpunktartig folgende 3 Fragen:

  • Was ist heute Schönes passiert?
  • Was war überraschend?
  • Was habe ich (über mich) gelernt?

Was Du nach der Reise noch tun kannst

Von jeder Reise bringt man neue Ideen, neue Impulse, neue Inspiration mit nach Hause. Nimm Dir nach der Reise etwas Zeit und reflektiere über Deine Erlebnisse. Wenn Du gute Erfahrungen gemacht hast, übernimm kleine Veränderungen in den Alltag. Womit möchtest Du auch in Zukunft Zeit verbringen? Womit weniger?

Wer alleine verreist war, hat viel Selbständigkeit bewiesen. Frage Dich anschließend: In welchen Bereichen meines Alltags kann ich die neu gewonnene Selbstsicherheit weiter anwenden – sowohl beruflich als auch privat?

Auf Reisen hast Du gesehen, dass es auch möglich ist anders zu leben als Du es gewohnt warst. Das ist wahrscheinlich die größte Lektion, die wir von unterwegs mit nach Hause nehmen können. Und wenn wir das einmal verstanden haben, dann erkennen wir auch, dass es an jedem Ort der Welt nur an uns liegt, unser Leben etwas mehr so zu gestalten, wie wir sind und wie wir gerne leben möchten.

Reisen Frei Mutig

Über die Autorin
Rebecca Keller schreibt auf Frei-mutig (www.frei-mutig.de) darüber, wie jeder mit Minimalismus, guten Gewohnheiten, unterstützenden Finanzen und Auszeiten vom Alltag einfach besser leben kann. Ihre Texte inspirieren dazu, alle Bereiche des Lebens auszumisten, um für die wirklich wichtigen Dinge mehr Zeit, Energie und Geld zu gewinnen.

Rebecca wohnt mit ihrem Freund in Münster. Wenn sie gerade nicht schreibt, verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit ihrer Familie und Freunden, im Garten zusammen mit einem guten Buch oder im Pferdestall.

Foto: Pexels auf Pixabay

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