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Kleidertausch, Foodsharing & Co.

Wir leben aus verschiedenen Gründen minimalistischer. Drei von vier Personen in unserer Familie sind hochsensibel. Wir lieben Ruhe, auch visuell. Aber auch Nachhaltigkeit spielt zunehmender eine große Rolle in unserer Familie.

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren enorm an Wichtigkeit gewonnen. Auch wenn es durch die Corona-Pandemie wieder ein wenig in den Hintergrund getreten ist, ist es aktuell wie nie. Wir in unserer Familie haben uns in den letzten Jahren mit vielem auseinander gesetzt, sei es Fast Fashion, Lebensmittelverschwendung, Plastikverbrauch und so weiter. Zuerst stand das reflektieren des eigenen Verhaltens im Vordergrund. Stück für Stück haben wir Änderungen zu Hause bewirkt, diese sind nun fester Bestandteil unseres Lebens.

Fast Fashion

Hier ein paar Stichpunkte zu Fast Fashion:

  • 2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert
  • jede*r Deutsche kaufte pro Jahr 60 neue Kleidungsstücke und trägt diese nur noch halb so lange wie vor 15 Jahren
  • bis zu 24 Kollektionen pro Jahr bieten Unternehmen wie Zara und H&M jährlich an (das sind 2 pro Monat)
  • pro Jahr werden circa 1,3 Mio Tonnen Altkleider in die Altkleidercontainer und die Sammlungen gegeben (das sind circa 15 kg Kleidung pro Einwohner*in)
  • davon werden nur etwa 10% an Bedürftige abgegeben, der Rest wird entweder verbrannt, weil kaputt oder wird als Handelsware in osteuropäische oder afrikanische Länder exportiert (und zerstört als Billigware die lokalen Textilmärkte).

Weitere Informationen findest Du hier.

Lebensmittelverschwendung

Ein paar Stichpunkte zur Lebensmittelverschwendung:

  • Schätzungen zufolge langen jährlich 931 Mio Tonnen Lebensmittel im Müll
  • gleichzeitig hungern 828 Mio Menschen auf der Welt
  • in Deutschland landen jährlich 11 Mio Tonnen Lebensmittel auf dem Müll

Weitere Informationen findest Du hier.

Konsumgewohnheiten

Bereits vor ein paar Jahren haben wir unsere Konsumgewohnheiten unter die Lupe genommen, genau genommen nachdem wir einen Beitrag über Fast Fashion gesehen haben, denn vorher haben auch wir munter geshoppt. Ehrlicherweise – und das kann ich heute gar nicht mehr nachvollziehen – war uns nicht bewusst, unter welchen Bedingungen Kleidung hergestellt wird.

Weiter ging es mit den Themen Lebensmittelverschwendung, ökologischer Fußabdruck als Familie und so weiter. Wenn Du Dich einmal über die verschiedenen Themen der Nachhaltigkeit und über die Folgen informierst, fängst Du an nachzudenken.

Natürlich ist es so, dass wir etwas zum Anziehen benötigen, die Kinder wachsen noch und brauchen neue Sachen. Wir brauchen auch Lebensmittel und müssen noch von a nach b kommen. Aber Kleidung muss nicht neu produziert sein, Lebensmittel werden auch nachhaltig produziert, eine saisonale und regionale Ernährung schont die Umwelt. Und auch die Fahrten von a nach b können so geplant werden, dass sie möglichst nachhaltig stattfinden. Mit ein paar Umstellungen, Stück für Stück, kann jeder von uns nachhaltiger Leben, ohne dass es aufwändig wäre.

Kleidertausch in Stuttgart

Sonntag waren wir bei schönstem Herbstwetter in Stuttgart untewegs. In einem unserer liebsten Cafés – übrigens ein tolles Konzept – haben wir einen Flyer liegen sehen zum Kleidertauschrauch. Wir hatten jeder ein paar Kleidungsstücke im Gepäck die zu klein waren (Anna) oder nicht mehr passten (ich).

Kleidertausch Kleider Second Hand
Bild von meineresterampe auf Pixabay

Vor Ort haben wir diese gut erhaltene und saubere Kleidung abgegeben und konnten uns dann aus den Kleidungsstücken der anderen Personen welche raussuchen, die passten und uns gefielen. Nachdem ich schon seit einem Jahr eine neue Strickjacke suche, wurde ich hier endlich fündig.

Kleidung ist einer der größten Klimakiller der Erde, die Modeindustrie ist nicht nur für enorme Co2-Emissionen verantwortlich, die in der Kleidung enthaltenen giftigen Chemikalien sorgen dafür, dass Wasser nicht mehr trinkbar ist oder Menschen vergiftet werden.

Da viele Kleidungsstücke aus Plastik hergestellt werden – Greenpeace geht davon aus, dass 60% unserer Kleidung aus Plastik besteht – können diese Textilien nicht recycelt werden, sondern werden verbrannt.

Der Vorteil beim Kleidertausch? Du findest Kleidung, die zu Dir passt und wirst Kleidung los, die nur ein Schrankhüter ist. Du kannst neue Styles ausprobieren und tust gleichzeitig noch etwas für die Umwelt. Nachhaltigkeit kann so einfach sein.

Hier findest Du aktuelle Kleidertausch-Events!

Foodsharing

Bereits vor einigen Jahren sind wir auf Foodsharing aufmerksam geworden. Wusstest Du, dass jede Woche 2,7 Tonnen Brot und Brötchen im Müll landen? Dieses Brot ist völlig in Ordnung, sein Problem ist nur, dass es vom Vortag ist und nicht mehr verkauft wird.

Gestern in Stuttgart war auch Foodsharing vor Ort. Wir haben Schwarzbrot, zwei Simmit, ein Brot, ein paar Karotten und eine Paprika gerettet. Einen Teil davon gab es direkt gestern, für mich gab es heute Mittag im Büro einen Simmit.

Wenn in einem Orangennetz sieben Orangen sind und eine schimmelt, werden alle weggeworfen, weil sie einzeln nicht verkauft werden können, auch wenn die anderen sechs in Ordnung sind. Ist bei einem Joghurt das MHD abgelaufen, wird er entsorgt, obwohl Du den Joghurt noch Wochen essen kannst.

Verbeulte Dosen landen im Müll. Krummes Gemüse landet im Müll. Dabei ist meinem Magen egal ob die Dose verbeult oder die Gurke krumm ist!

Foodsharing Lebensmittel teilen
Bild von Jörn auf Pixabay

Wir kaufen nur noch das ein, was wir wirklich essen und wir nutzen Foodsharing. Auserdem haben wir eine Biokiste und bestellen hier vor allem saisonale und regionale Lebensmittel.

Containern – also die Lebensmittel aus dem Müll der Supermärkte holen – ist in Deutschland übrigens immer noch eine Straftat und kann durch den Supermarkt angezeigt werden.

Nachhaltigkeit geht immer

Dass wir gern und viel Fahrrad fahren ist nichts Neues, darüber habe ich auf meinem Blog bereits öfter geschrieben, auch über die Vorteile. Wir haben unseren VW Camper verkauft, aus verschiedenen Gründen – Nachhaltigkeit spielte ebenso eine Rolle bei unseren Überlegungen. Wir haben ihn übrigens seitdem nicht einmal vermisst. Seitdem besitzen wir noch einen Kleinwagen – einen Ford Fiesta. Selbst wenn unsere Tochter ihren Führerschein bekommt in ein paar Monaten wird er das einzige Auto bleiben.

Wir haben aufgehört zu konsumieren und kaufen nur noch das, was wir wirklich benötigen. Dabei wird nicht jeder Wunsch sofort erfüllt. Die Fähigkeit, Dinge aufschieben zu können, ist vielen Menschen in der heutigen Gesellschaft, wo immer alles verfügbar ist, leider abhanden gekommen. Dabei erledigen sich viele Wünschen – meist schon in den ersten 24 Stunden – von selbst.

Dinge, die wir nicht mehr benötigten, haben wir weitergegeben – verkauft, verschenkt, gespendet. So bleiben Sie in der Kreiswirtschaft, denn vieles ist zu schade zum Wegwerfen.

Wir freuen uns sehr darüber, dass diese Möglichkeit von immer mehr Menschen genutzt wird, aus welchen Gründen sei hier mal dahingestellt. Wir Menschen müssen umdenken, Vorbilder sein. Mir ist bewusst, dass viele Dinge in unserem Land Luxusprobleme sind. Menschen beschweren sich über die hohen Energiekosten, dahinter steht bei manchen, dass sie statt 4 mal nur noch 3 mal in den Urlaub fahren können. Dem entgegen stehen Menschen, denen es finanziell wirklich schlecht geht, die nicht wissen wie sie über den Winter kommen und die tatsächlich einen Grund haben sich Sorgen zu machen.

Positiv denken

Bei allen negativen Nachrichten ist es jedoch auch wichtig positiv zu denken. Wenn wir nur Probleme wälzen – und das tut unser Gehirn sehr gern – bleiben Lösungen außen vor. Erst wenn wir die Perspektive wechseln und lösungsorientiert denken, erhalten wir die Möglichkeit der Lösung.

Im Gespräch mit einer Kollegin kamen wir auf das Thema Jugendliche. Diese müssen derzeit mit vielem klar kommen, dem Klima und der Aussicht, dass die Überflutungen, Dürreperioden und andere Naturkatastrophen noch zunehmen, mit dem Krieg in der Ukraine und vielem mehr. Diese Meldungen erhalten sie ungefiltert über soziale Medien und haben durch die Vernetzung mit der ganzen Welt Zugang zu allem.

Gleichzeitig haben sie beruflich und persönlich alle Möglichkeiten, damit fällt aber die Auswahl, in welche Richtung er oder sie gehen möchte, schwerer. Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen (nicht nur Jugendliche) Angst haben falsch zu wählen oder etwas zu verpassen.

Abgrenzung, Gespräche und Halt sowie positives Denken ist hierbei wichtiger denn je.

Fazit

Angesichts der Nachrichten, der vielen verschiedenen Baustellen – was die Nachhaltigkeit angeht, könnte ich manchmalö verzweifeln und habe mich oft gefragt: Was kann ich schon ausrichten? Dann stolperte ich durch Zufall über ein Zitat und wusste, ich mache einen Unterschied.

Was kann einer alleine schon ausrichten…fragte sich die halbe Menschheit.

unbekannt

Wenn ich nachhaltiger lebe, hat das eine Vorbildfunktion für die Menschen in meinem Umkreis und diese können wiederum als Vorbilder agieren. Wir können alle Vorbilder sein und so eine Welle entfachen, die doch den Unterschied macht.

Und Nachhaltigkeit leben ist nicht schwer, Du musst nicht perfekt sein, wichtig ist, dass Du einfach anfängst. Such Dir eine Sache aus, sei es dass Du zu einem reinen Ökostrom-Anbieter wechselst (also zu einem Unternehmen welches keinen Atom- oder Kohlestrom anbietet, sonder nur Strom aus nachhaltigen Quellen). Du könntest auch unter der Woche vegetarisch oder vegan essen und nur am Wochenende Fleisch/ Milchprodukte/ Fisch konsumieren. Fahr alle Strecken unter 7/5/3 km mit dem Fahrrad oder gehe sie zu Fuß. Verzichte einen Monat bewusst aufs konsumieren, besuche einen Kleidertausch, informiere Dich über Foodsharing. Geh auf eine Demo (ich bin auf dieser hier). Es gibt so viele kleine Dinge, die Du tun kannst. Und wenn jeder nur etwas tut, sind wir zusammen ziemlich viel.

Ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche

Titelbild von annca auf Pixabay

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2 Kommentare

  1. Hallo Julia,
    das Zitat trifft es ziemlich gut. Wenn alle sich ein bisschen mehr Mühe geben, können wir alle zusammen Großes erreichen.
    Das Thema Lebensmittelverschwendung lässt mich auch immer wieder fassungslos den Kopf schütteln. Die Regale im Supermarkt und beim Bäcker sind auch spät abends noch gut gefüllt. Sich mit dem zu begnügen, was da ist und nur zu kaufen, was man auch verbraucht, sind wir gar nicht mehr gewohnt. Hier ist ein Umdenken dringend nötig.
    LG
    Vanessa

    • einfachfreileben

      Liebe Vanessa,

      da gebe ich Dir recht, aber gestern abend war ich positiv überrascht. Wir sind kurz vor 20 Uhr zum Bäcker rein, der an einen Supermarkt angeschlossen ist, es gab nur noch 6-7 Brote, eins davon haben wir gekauft.
      Wenn ich so spät komme, dann nehme ich was da ist, wenn ich was bestimmtes will, muss ich eher gehen.
      Liebe Grüße
      Julia

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