Minimalismus

Wann genau der Minimalismus in unser Leben einzog, weiss ich nicht mehr. Ein paar Jahre ist es her. Warum? Wie? Und was unserer Meinung nach die Vorteile sind? Das erfährst Du in diesem Artikel.

Minimalismus – aktueller denn je!

Über Minimalismus liest man derzeit überall. Minimalismus ist mehr im Trend denn je. Da gibt es die, die mit 100 Dingen auskommen. Es gibt karge Wohnungen, Menschen die ihr ganzes Hab und Gut ausräumen, um es sich Stück für Stück zurück zu holen.

Es gibt Personen, die sagen, Du darfst nur einen Kochlöffel haben, sonst bist Du kein Minimalist oder die mit nur 33 Kleidungsstücken auskommen.

Meine Meinung ist eine andere!

Wikipedia beschreibt den Minimalismus als einfaches Leben. Als Gegenteil zum konsumorientierten Leben und der Überflussgesellschaft und ich glaube, diese Bescheibung trifft es sehr gut. Minimalisten wehren sich gegen den Überfluss in ihrem Leben, ob mit 100 Dingen oder mit 1000 Dingen. Jeder entscheidet selbst, was Überfluss bedeutet.

Warum zog der Minimalismus bei uns ein?

Als wir vor über 11 Jahren von unserer Wohnung ins Haus zogen, sah das Haus recht leer aus. Klar, wir hatten auf einen Schlag mehr als 50 qm mehr.

Ein Phänomen, wenn man Platz hat, es kommen Dinge ins Haus. Ich kann mich noch erinnern, dass mein Bruder mich fragte: Möchtet Ihr das Hochbett von Eurem Neffen? Die Kids waren gerade 3 und 1 Jahr. Jedes Kind hatte sein eigenen Reich und wir wollten kein Hochbett.
„Ihr könnt es doch bei Euch lagern, Ihr habt doch den Platz“.

Ja, wir haben Platz. Aber wir möchten keine Dinge lagern, die wir nicht benötigen und von denen wir nicht wissen, ob sie jemals relevant sind.

Der Platz im Haus füllte sich. Es zogen Dinge ein, von denen wir glaubten sie zu benötigen. Es zogen auch Dinge von anderen ein, die sie nicht mehr benötigten.

Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es zu viel von allem war. Der Keller war vollgestopft mit alten Sachen, die immer wieder mit umgezogen sind, aber seit Jahr(zehnt)en nicht mehr benutzt wurden.

Als ich begann auszuräumen, kannte ich den Minimalismus noch nicht, das kam erst später. Ich war einfach nur genervt von dem zu viel und wollte nur eins: WENIGER!

Wie sind wir vorgegangen?

Die Anfänge waren noch zögerlich. Es gab Dinge, die durften sofort gehen. Aber es gab auch Dinge, da waren wir uns unsicher und diese durften bleiben. Erinnerungsstücke wie Fotos aus früheren Jahrzehnten, das Poesiealbum (welches immer noch im Keller liegt, aber nun gehen darf), die alten Ski, die mein Mann vielleicht noch einmal benutzen wollte. Die alte Lederjacke meines verstorbenen Schwiegervaters (die bleibt auch heute noch).

Erinnern kann ich mich an eine Begebenheit. Wir wollten zu Pfingsten in den Urlaub. Eigentlich war es finanziell nicht drin, da wir schon einen Sommerurlaub gebucht hatten. Aber der Wunsch war so groß. Also haben wir beschlossen, das Geld zu verdienen, indem wir Dinge, die wir nicht benötigen verkaufen. Über Ebay, Ebay-Kleinanzeigen usw.

Wir haben es geschafft in 3-4 Monaten ca. 600 Euro mit nicht mehr benötigtem Kram – und das war es für uns tatsächlich – zu verdienen. Mit diesem Geld haben wir einen Urlaub in der Toskana gemacht und von diesem reden wir noch heute. Er war so schön und entspannt.

Stück für Stück loslassen

Stcük für Stück haben wir die Dinge in unserem Haus losgelassen. Die Unmengen an CDs, die wir nicht mehr gehört haben. Videokassetten – wir hatten nicht mal mehr einen Videorekorder – und DVDs durften gehen. Bücher haben unser Haus Richtung Momox oder Bücherschrank verlassen. Kleidung wurde aussortiert, Spielzeug, Gesellschaftsspiele, Tupper, Teller, Tassen…wir haben im Badezimmer aufgeräumt, den Dachbogen entrümpelt…

Mit jedem Stück, was uns verliess, hatte ich das Gefühl wieder freier zu atmen.

Unser Weihnachtsbaum – nachhaltig und minimalistisch

Die Kiste im Keller

Bei Umzug ins Haus haben wir eine Kiste mit Tellern und Tassen in den Keller gestellt. Vier, fünf Jahre später stand diese immer noch da. Sie enthielt unter anderem ein Service, welchen ich von meiner Oma vererbt bekommen habe. Ich habe nie davon gegessen, weil ich Angst hatte, dass die Stücke kaputt gehen.

Irgendwann sah ich den Karton wieder und entschied, dass nun Zeit ist, ihn auszuräumen. Die Tassen und Untertassen waren für uns zu klein, wir trinken Kaffee und Tee aus grossen Tassen. Aber die Teller waren genau richtig. Fünf Jahre später gibt es nur noch wenige Teller von dem Service. Die anderen sind tatsächlich kaputt gegangen. Aber es macht mir nichts aus. Ich habe so oft von diesen Tellern gegessen, an meine Oma gedacht und sie in Gedanken lächeln sehen. Die Tassen, Unterteller und Kaffeekanne haben wir in die örtliche Givebox gestellt – so hatte noch jemand anders Freude daran.

Welche Vorteile uns der Minimalismus bringt!

Der Minimalismus bringt uns enorm viele Vorteile:

  1. Ordnung im Außen = Ordnung im Innen
    Wenn ich innerlich durcheinander bin und irgendwie nicht weiter komme, räume ich auf. Ich habe das Gefühl, durch das Ordnen der Dinge im Außen, räume ich auch in mir auf. Es hilft mir wieder klarer zu sehen und den Überblick zurück zu erlangen.
  2. Weniger Zeug = mehr Zeit
    Ein klarer Punkt ist auch die Zeitersparnis. Ich muss weniger putzen, wegräumen, reparieren, warten, pflegen. Ich verbringe weniger Zeit mit suchen. Diese Zeit kann ich für mich nutzen, für Dinge die ich gern tue.
  3. Ich weiss was ich will und was mir gefällt!
    Indem ich ausgeräumt habe, habe ich erkannt, was mir gefällt und was mir nicht gefällt. Ich habe gesehen, was ich brauche und das ist weniger als wir denken.
  4. Ich spare bares Geld
    Mit jedem Stück, was ging, ging bares Geld. Wir haben dafür irgendwann einmal Geld bezahlt. Wir haben es angeschafft, es wurden Ressourcen dafür verwendet. Nun überlege ich zweimal was ich benötige. Ob es einziehen darf. Ob ich es kaufe.

Weisst Du was Dich glücklich macht? Hier findest Du die Artikel zu diesem Thema.

Minimalismus ist ein Weg!

Minimalist ist man nicht einfach so, weil man es selbst sagt. Man beschließt auch nicht, so, jetzt bin ich Minimalist. Der Minimalismus entwickelt sich.

Stück für Stück durften die Dinge gehen. Stück für Stück haben wir uns auch innerlich verändert. Wir haben erkannt, was wir möchten, was uns wichtig ist. Wofür wir unsere Zeit, die wir haben, verwenden wollen.

Auf unserem Weg sind wir dem Frugalismus begegnet. Die Nachhaltigkeit begleitet uns nun ebenfalls. Wir haben unsere Ernährungsgewohnheiten überdacht und geändert. Wir sind glücklicher und zufriedener als vorher. Benötigen weniger Dinge in unserem Leben. Konsumieren – shoppen – ist kein Hobby für uns. Der Minimalismus – auch wenn uns damals der Name noch nicht bekannt war – ist bereits vor Jahren in unser Leben getreten und hat vieles vereinfacht.

Mehr Zeit – für Yoga, für sich selbst…

Wir wissen, wir haben noch einen Weg vor uns und freuen uns auf jeden neuen Tag, darauf was wir noch lernen und wohin wir uns entwickeln.

Auf unserem zweiten Blog bodysoulfamily.de gibt es zwei Artikel zum Thema Minimalismus im Kinderzimmer.

Bist Du Minimalist? Was bedeutet für Dich Minimalismus?