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Minimalismus und Fotos

Wir haben in den vergangenen Jahren unseren gesamten Besitz mehrmals auf den Prüfstand gestellt . Viele, viele Dinge haben uns verlassen. Zuletzt habe ich meine Fotoalben und analogen Fotos gründlich aussortiert, ca. 100 Stück durften bleiben, der ganze Rest – und es waren viele – durften gehen.
Unsere digitalen Fotos sollten folgen. Es waren- haltet Euch fest – 80.000 Fotos. Wenn ich jedes unserer Fotos nur zwei Sekunden betrachte, dauert es fast 2 Tage bis ich alle Fotos einmal angesehen habe. Und sind wir mal ehrlich, zwei Sekunden reichen bei weitem nicht aus.

Wir nutzen seit 2003 eine Digitalkamera, 2010 kam das erste Handy dazu, welches wir zum Foto aufnehmen nutzen konnten. 2006 kam unsere Tochter zur Welt, 2008 unser Sohn. Ich bin eine sehr stolze Mutter, liebe meine Kinder sehr. Daher gibt es alleine hier unglaublich viele Fotos, zum Teil in gleichen Positionen. Nun war die Überlegung, was machen wir?

Fotos früher und heute

Ich fotografiere so lange ich denken kann. Als Kind habe ich von meinen Eltern eine kleine, orangene Kamera bekommen mit einem richtigen Film, damals noch in schwarz-weiß. Ich habe tatsächlich oft überlegt, was ich fotografiere. Im Endeffekt war es meine Familie und meine Tiere – es gab wirklich viele Meerschweinchen-Fotos. Oft waren die Bilder unscharf und verwackelt. Trotzdem habe ich sie aufgehoben.

Später, mit der Digitalkamera, musste ich mich nicht mehr entscheiden. Ich fotografierte wild drauf los, die gleiche Person in der gleichen Position mehrmals, so könnte man sich ja das beste Foto aussuchen. Ich tat es nur nie, also landeten alle Fotos auf der Festplatte.

Über die Jahre, Handys, Digitalkameras hinweg hat sich so eine unglaubliche Menge von 80.000 Fotos angesammelt. Teilweise waren diese doppelt, da ich vergessen hatte sie auf dem Handy oder der Digitalkamera zu löschen, so dass sie wieder und wieder heruntergeladen wurden. In den letzten Monaten habe ich bereits angefangen, Bilder zu löschen. Doppelte Bilder, Bilder die keinen Sinn mehr ergeben, Bilder, die verwackelt oder unscharf sind, aber ich kam nur langsam voran.

Möglichkeiten

Dann habe ich in einem Podcast – ich glaube bei Minimalismus Jetzt – gehört, dass es Programme gibt, die doppelte Bilder herausfiltern. Über Chip.de haben wir die Software VisiPics heruntergeladen. Ganze 4 Stunden hat sie am Sonntag benötigt, um doppelte/ ähnliche Bilder herauszufinden. Wir kamen insgesamt auf 25.000 Fotos. Hierbei handelt es sich nicht nur um doppelt abgelegte Bilder in unterschiedlichen Ordnern, sondern auch um ähnliche Bilder – zum Beispiel unsere Tochter in der gleichen Position, mit gleichem Hintergrund aber unterschiedlichen Gesichtsausdruck.

Wir haben gestern quasi den ganzen Tag – mit Pausen natürlich – damit zugebracht, die doppelten/ ähnlichen Bilder anzuschauen und zu löschen. Eine Menge Arbeit. Und wir haben noch 165 Seiten mit Bildern vor uns.

Bilder der letzten 4 Jahre

Bereits seit 4 Jahren lösche ich nun regelmäßig Bilder auf meinem Handy. Ich schaue alle 1-2 Monate die Fotos durch und lösche die, die doppelt, verwackelt oder einfach nicht aktuell oder gewünscht sind (ebay-Kleinanzeigen-Fotos, Fotos von Dingen, die ich mir kurz merken wollte etc.). Mein Foto-Feed der letzten 4 Jahre enthält nur Fotos, die ich behalten möchte und die ich mir anschaue. Seit September 2017 habe ich hier über 6.000 Fotos angesammelt.

Wir fotografieren, damit wir eine Rückfahrkarte zu einem Moment haben, der sonst verloren wäre.

Kathie Thurmes

Fotos und dein Innerstes

Fotos machen etwas mit uns. Sie erinnern uns an die Vergangenheit, an schöne oder auch traurige Momente. Sie zeigen uns Bilder von dem, wie wir sind, sein möchten oder eben nicht sein möchten. Fotos sind Zeitzeugen.

Als ich meine analogen Fotos aussortiert habe, fiel mir auf, wie erleichtert ich mich danach gefühlt habe. Ich habe tatsächlich nur ein Baby-Kinderalbum von mir behalten, ein paar Fotos als Jugendliche, die mir was bedeutet haben und die ich gern anschaue. Auch die Fotos der vergangenen 4 Jahre sind nur Fotos, die in anschauen möchte und die mich glücklich machen. Es sind viele Momente mit meiner Familie, Urlaube die wir gemeinsam unternommen haben, Feiern und Treffen.

Die Fotos auf der Festplatte kommen Stück für Stück dran, eine Mammutaufgabe, aber machbar. Minimalismus erstreckt sich für viele nur auf die äußeren Bereiche wie Wohnung, Arbeitsplatz…aber auch Dein Inneres möchte aufgeräumt werden, ebenso wie die Festplatte Deines Computers oder Laptops oder der Speicher Deines Handys . Sich mit alten Fotos auseinanderzusetzen, zu entscheiden, welche Du behalten möchtest und welche weg können, macht viel mit Deinem Inneren. Du durchlebst Situationen erneut, rufst Dir verschiedene Szenen noch einmal ins Gedächtnis.

Wir haben Sonntag mehr als 8.000 doppelte und ähnliche Bilder gelöscht. Es tat gut! Während am Anfang die Entscheidung bei ähnlichen Fotos noch schwerer viel wurde sie umso leichter, je länger wir dran sassen.

Tipps

Du bist unsicher, ob Du dieses oder jenes Foto noch behalten möchtest? Mach Dir klar, dass Du Dir 95% der ganzen Fotos wahrscheinlich weniger als 1 mal im Jahr anschaust. Hast Du auch nur ein klitzekleines bisschen was an dem Foto auszusetzen oder bereitet es Dir ein wenig Unbehagen, lösch es. Du wirst es nicht vermissen.

Du behältst viele Fotos um sie Deinen Kindern zu geben? Prima. Aber möchtest Du wirklich, dass sich Deine Kinder mit tauenden von Fotos auseinandersetzen müssen? Reichen hier nicht auch 10 pro Monat?

Stell Dir vor, am Ende Deines Lebens möchtest Du Dir Fotos anschauen. Was möchtest Du sehen? Welche Momente werden dann wichtig sein? Wirst Du vielleicht überfordert sein mit der Menge an Fotos? Willst Du wirklich das dritte Foto anschauen vom Meer, obwohl die zwei vorher schon ähnlich aussahen? Und wie viel Freude bringt es Dir, Dein Kind zehnmal in der gleiche Position zu sehen, mit nur minimalen Unterschieden?

Fazit!

Mein Wunsch ist es, pro Monat des Jahren noch etwa 10 Fotos zu behalten. Dazu kommen Events wie Urlaub, Einschulung, Geburtstage oder sonstige wichtige Ereignisse. Ich wünsche mir eine kleine, feine Fotogalerie, die ich mir regelmäßig anschauen kann. Bis es soweit ist, haben wir noch viel vor uns, aber der Herbst und Winter ist die richtige Jahreszeit dafür. Stück für Stück kommen wir voran. Sobald die wie doppelten und ähnlichen gelöscht haben, werde ich mich wieder Jahr für Jahr vorarbeiten und nur die Fotos behalten, die mich wirklich berühren, auf welche Weise auch immer.

Wie viele (digitale) Fotos hast Du? Löschst Du regelmäßig? Wie viele analoge Fotos hast Du?

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