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Kleidung – welche Möglichkeiten?

2013 ist in Bangladesch die Textilfabrik Rana-Plaza eingestürtzt. Mehr als 1.100 Menschen verloren ihr Leben. Es war das erste Mal, dass ich von so schlimmen Bedingungen in der Textilindustrie in Bangladesch gehört habe. Es hat noch ein Weilchen gedauert, bis ich meine persönlichen Konsequenzen gezogen habe. Mittlerweile habe ich – zusammen mit meiner Familie – einige Dokumentationen geschaut und wir haben bereits vor langem entschieden, andere Wege zu gehen. Wenn ich mit anderen Menschen darüber rede, wie Kleidung hergestellt wird, höre ich oft das Argument, dass nachhaltig und fair produzierte Kleidung teuer ist und es wenige andere Alternativen gibt. Ja, dem ersten stimme ich zu. Faire, nachhaltig produzierte Kleidung hat ihren Preis. In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen aber auch zeigen, dass es andere Alternativen gibt.

Fast Fashion

Mit Fast Fashion wird ein Modell in der Textilindustrie beschrieben, nach dem Kleidung die den Trends entspricht schnell designt, produziert und zu niedrigen Preisen verkauft wird. Qualität sucht man hier vergebens. Noch dazu schadet sie oft der eignenen Gesundheit und vor allem dem Planeten.

Diese Kleidung wird produziert und landet nach ein paar Mal tragen im Müll. Denn der nächste Trend ist schon da und soll gekauft werden.

90% der Kleidung wird in Asien produziert, auf Grund der niedrigen Produktionskosten. Das diese einher gehen mit Kinderarbeit, extrem niedrigen Löhnen und Gesundheitsgefahren für die Arbeiter*innen, daran denkt kaum jemand.

Aber es gibt auch Alternativen.

1. Werde Dir Deines Stils bewusst

Ich habe lange gebraucht um zu wissen, was mir gefällt und was ich gern trage. Jahrelang. Vor ein paar Jahren hatte ich die Nase voll und habe mir meinen Kleiderschrank genauer angeschaut. Ich habe alle Teile herausgesucht, die ich gern trage und geschaut, was haben sie für Gemeinsamkeiten.

Folgendes fiel mir auf:

  • Ich mag keine Absatzschuhe. Mit Schuhgröße 43 finde ich Absatzschuhe einfach unbequem.
  • Kleider liebe ich.
  • Meine Lieblingsfarbe ist schwarz. Auch wenn andere Menschen sagen, ich soll mehr Farbe anziehen…
  • Ich mag das Konzept der “Capsule Wardrobe”
  • Am liebsten trage ich bequeme Kleidung, die sich in allen Situationen anpasst (Roller, Fahrrad, laufen)
  • Zwei elegante Kleider reichen für alle Feierlichkeiten des Jahres.

Mittlerweile habe ich meinen Stil gefunden und bleibe ihm treu.

2. Hinterfrage Dich selbst!

Wir alle besitzen genug Kleidung. Frage Dich selbst, warum Du neue Kleidung kaufen möchtest? Weil Du Dich langweilst? Oder bist Du mit Dir selbst nicht zufrieden und denkst, wenn Du dieses oder jenes trägst fühlst Du Dich besser? Vielleicht willst Du auch so sein wie der Influencer oder die Influencerin, die so ein tolles Leben führen?

Werde Dir bewusst, warum Du etwas kaufen möchtest!

3. Meide Fast Fashion

Fash Fashion ist kurzlebig. Diese Kleidungsstücke werden für den Müll produziert. Was dann damit passiert? Hier findest Du einen Artikel, mich haben diese Bilder schockiert!! Gefällt Dir ein Trend gut? Kauf nachhaltig, faier oder gebraucht.

Benötigen wir etwas, als Ersatz, weil ein Kleidungsstück nicht mehr reparabel ist oder weil die Kinder gewachsen sind, schauen wir zuerst, ob wir es gebraucht bekommen. Wenn nicht, kaufen wir es fair oder nachhaltig.

4. Überschlafe Deinen Wunsch

Wenn Du etwas gefunden hast, was Dir gefällt und Du willst es sofort haben, geh aus dem Laden nach Hause und überschlafe Deinen Wunsch. In 90% der Fälle denkst Du am nächsten Tag nicht mehr daran. Wenn der Wunsch länger bestehen bleibt, dann kauf Dir das Teil.

5. Wieviel Kleidung benötigst Du?

Laut dem NDR kauft jeder Konsument in Deutschland 60 neue Kleidungstücke pro Jahr. 40% davon werden nur selten oder nie getragen. Doch wieviel Kleidung benötigen wir wirklich?

Es gibt verschiedene Modelle, die eine bestimmte Anzahl an Kleidung einschließen. Bei der Capsule Wardrobe geht man von 30-50 Kleidungstücken aus.

Lies auch gern hier: Konsum kostet Dich Lebenszeit!

Ich habe mir einmal überlegt, was ich pro Saison benötige,wobei sich Frühling und Herbst überschneiden mit dem Sommer, da ich hier auf das Zwiebelprinzip zurück greife. Wir waschen meist am Wochenende Wäsche:

  • 10 Slips und 2 BHs
  • fünf T-Shirts und zwei Tops
  • 3 Hosen, 2 Röcke und 2 kurze Hosen
  • 2 Pullis, eine Strickjacke je für Sommer/ Winter
  • 2 Kleider für den Alltag
  • ein Wintermantel, eine Regenjacke, eine Jacke für den Sommer, eine Übergangsjacke
  • 5 paar Sneakersocken, drei paar Wandersocken, 5 paar normale Socken
  • Sportkleidung (2 Yoga-Hosen, eine Laufhose, 2 Yoga-Shirts, ein Laufshirt, eine Laufjacke)
  • zwei Bikinis
  • 2 elegante Kleider
  • zwei paar Sneaker, zwei paar Winterstiefel, Flip Flops, Turnschuhe, Ballerinas

Die Kleidung, welche ich ausschließlich im Winter trage (da dicker) wird im Sommer im Keller zwischengelagert. Umgekehrt wandern meine kurzen Hose im Winter in den Keller.

Bluse Umsonstladen
Bluse aus dem Umsonstladen

Auch ich besitze derzeit noch mehr Kleidung. Zum einen, weil mir die Sachen gut gefallen, gut passen und zum anderen, weil ich diese nicht weggeben möchte, denn irgendwann benötige ich definitiv Ersatz. Wenn ich dann auf Kleidung zurück greifen kann, umso besser.

Ich bin gerade dabei mir meinen Kleiderschrank nach dem Prinzip 333 einzurichten. Das bedeutet, dass ich mir circa 33 Teile für 3 Monate heraussuche und diese abwechselnd trage. Nicht enthalten sind Unterwäsche, Bikinis und Sportklamotten.

6. Reparieren, Upcycling & Co.

Nur 50% der Konsumenten reparieren kaputte Kleidung. Socken stopfen kann kaum noch jemand. Dabei ist ein kleines Loch schnell geflickt, der lose Knopf wieder angenäht. Doch vielen Menschen ist es zu anstrengend und Kleidung gibt es mehr als genug.

Und reparieren bedeutet, ich schätze meine Kleidung. Ich kümmere mich um sie. Vor allem bei hochwertiger Kleidung von guter Qualität lohnt sich das reparieren.

gestopfte Socke
Socken stopfen – passiert hier öfter

7. Tauschparty und Second Hand

Du hast Kleidung die zu eng oder zu weit ist oder Dir einfach nicht mehr gefällt? Auch dafür gibt es Möglichkeiten. Auf Kleidertausch.de kannst Du nach Tauschpartys oder Wanderpaketen ausschau halten. Im Second Hand Shop Deines Vertrauens kannst Du Kleidung, die noch gut erhalte ist verkaufen. Oder nutze eine der vielen Verkaufsplattformen wie Ebay-Kleinanzeigen oder Vinted.

In manchen Städten gibt es auch Umsonstläden oder soziale Projekte die gut erhaltene Kleidung annehmen und diese umsonst oder günstig an finanziell schwächer gestellte Familien abgeben.

Der Altkleidercontainer sollte die allerletzte Wahl sein, warum? Lies hier!

Gerade für Kinder und Jugendliche – die noch im Wachstum sind, gibt es vor allem in Second Hand Läden ein großes Angebpt. Außer für Jungs im Alter von 6-9, da gibt es keine Jeans ohne Löcher am Knie, selbst getestet.

Bluse Second Hand
Bluse Second Hand

8. Ich bekommen das, was ich suche nicht gebraucht!

Aber was ist, wenn Du das, was Du benötigst nicht gebraucht bekommst?

Dann kannst Du auf nachhaltig und fair produzierte Kleidung ausweichen. Diese Kleidung kostet natürlich mehr als Fast Fashion, da hier jeder in der Produktionskette gerecht entlohnt wird. Sie wird aber unter guten Arbeits- und Umweltbedingungen produziert und hat eine höhere Qualität. Dadurch ist sie langlebiger und Du kannst sie länger tragen. Das wiegt den höheren Kaufpreis auf. Fair und nachhaltig produzierte Kleidung orientiert sich oft nicht an Trends, sondern hat ihren eigenen Stil.

So kannst Du ebenfalls Deinen Beitrag leisten zum Umweltschutz. Du setzt Dich für faire Bezahlung ein. Vergiss nicht, der Kassenzettel (oder die Rechnung) ist Dein Stimmzettel.

9. Ich brauche dringend was, jetzt!

Auch dafür gibt es andere Möglichkeiten. Leih Dir etwas bei Freunden. Wenn ich etwas benötige, frage ich meine Schwägerin. Sie hat tolle Kleidung im Schrank und leiht mir gern etwas aus. Auch gibt es Firmen, die Kleidung ausleihen.

Oder Du schaust noch einmal in Deinem Schrank nach, ob sich nicht etwas passendes finden lässt.

Ich habe hier im Büro einen Test gemacht und mehrere Tage das gleiche getragen, es ist nicht einmal aufgefallen, auch dann nicht als ich Kolleginnen danach gefragt habe.

10. The last one

Kleidung soll und wärmen und schützen. Sie ist Statement und unterstreicht unseren Auftritt. Aber es ist eben auch nur Kleidung. Sie sagte nichts darüber aus, was Du als Mensch bist. Du bist einzigartig, Du bist großartig. Egal was für Kleidung Du trägst. Deine inneren Werte sagen mehr über Dich aus als Deine Kleidung.

Mir ist bewusst, dass es in vielen Berufen Arbeitskleidung gibt, diese ist natürlich ausgenommen, denn ob Du willst oder nicht, Du musst Dich an die Gegebenheiten anpassen.

Für vielen Menschen ist Kleidung auch etwas Individuelles, was sie ausmacht. Meine Tochter trägt gern aussergewöhnliche Kleidung. Aber auch sie kauft keine neue Kleidung, eben wegen der Problematik und dem Thema Nachhaltigkeit. Sie überschläft spontane Impulse, sie schaut gebraucht, sie tauscht, sie findet diese in Second Hand Läden, in Umsonstläden oder bei Freunden und der Familie.

Wie ist es bei Dir? Kaufst Du oft Kleidung? Hast Du Dir über die Themen Fast Fashion, Nachhaltigkeit tec. schon Gedanken gemacht?

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