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Wie meine Kinder sparen lernten! 10 Tipps im Umgang mit Geld!

Unsere Kinder sind 16 und fast 14 Jahre alt. Wenn man andere Teenager in dem Alter sieht, geben diese ihr Geld oft bei Shopping-Touren, Fastfood-Ketten oder im GameStop aus. Ich selbst hatte während meiner Kinder- und Teenagerzeit eigentlich nie Geld, obwohl ich zwei Mal die Woche Zeitungen ausgetragen habe und mit 200,00 DM im Monat nicht arm war. Mein Geld floss in Klamotten, Schreibwaren (Diddl!) und Bücher.

Bis vor etwa 2 Jahren ging es unseren Kids ebenso. Am Anfang des Monats kam das Taschengeld und kurz danach war es wieder weg. Heute sieht das Ganze anders aus. Beide verfügen über einen (fast) 4-stelligen Betrag auf ihren Girokonten, angespart durch Taschengeld, Verkäufe von nicht benutzten Dingen und Geburtstags- bzw. Weihnachtsgeld der Verwandten. Unsere Große geht zusätzlich ab und zu babysitten.

Taschengeld – wieviel?

Beide Kinder bekommen Taschengeld. Angefangen haben wir mit regelmäßigen Taschengeldzahlungen als sie in die erste Klasse kamen. Bis zur 5. Klasse bekamen sie das Geld wöchentlich in bar ausgezahlt. Von der 5-6. Klasse bekamen sie es Anfang des Monats ebenfalls in bar. Danach stellten wir auf Überweisung aufs Konto der Kinder um.

Hier findest Du eine Übersicht über die Taschengeld-Höhe.

Wir haben die Taschengeld-Höhe an die Schuljahre gekoppelt. In der ersten Klasse bekamen sie 1 Euro pro Woche, in der zweiten Klasse 2 Euro etc.

Unsere Große ist in der 10. Klasse, bekommt demnach 10 Euro die Woche. Da wir das Taschengeld monatlich zahlen, haben wir einfach 52 Wochen x 10 Euro gerechnet und dies dann durch 12 Monate. Heraus kommen 43,33 Euro pro Monat, hier haben wir abgerundet auf 43,00 Euro. In der 11. Klasse sind es dann 47,66 Euro im Monat, da runden wir auf.

Reicht das Taschengeld?

Definitiv! Wenn sie mehr benötigen gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Taschengeld aufzustocken. Sie können sich eine Nebenbeschäftigung suchen: Zeitung austragen, babysitten, Schnee schippen (wenn es mal schneit) etc.

Wir zahlen quasi das “Fix-Gehalt” im Monat, es reicht für die Dinge, die sie benötigen locker aus. Die “Provision” müssen sie sich selbst dazu verdienen. Für normale Arbeiten im Haushalt wie Spülmaschine ausräumen, saugen, Wäsche waschen etc. gibt es übrigens kein Geld. Das sind ihre normalen Verpflichtungen. Unser Ziel ist, dass sie wissen was sie zu Hause machen müssen, wenn sie mal ausziehen. Ich selbst durfte nie helfen, weil es ohne mich schneller ging und als ich auszog brauchte ich erstmal ein Jahr um alles alleine hinzubekommen, mit 19!!!!

Was müssen die Kinder vom Taschengeld zahlen?

Kurz gesagt: alle privaten Vergnügen.

Wir zahlen alles was sie zum Leben benötigen. Lebensmittel, Kleidung (die notwendig ist, Ersatz für kaputt gegangenes), Schulsachen, Drogerieartikel wie Duschgel, Shampoo etc.
Alle Dinge, die nicht unbedingt notwendig sind müssen sie dagegen selbst zahlen. Sie möchten gern ein neues Handy obwohl das alte noch funktioniert? Dürfen sie selbst zahlen. Sie möchten gern shoppen gehen und sich ein Spiel, Funko Pops o.ä. kaufen? Dafür haben sie ihr Taschengeld. Sie möchten mit Freunden ins Kino? Gern, eigenes Taschengeld.

Unternehmungen, die wir als Familie gemeinsam machen wie Kino, Eis essen und ähnliches zahlen wir Erwachsenen.

Unsere Kinder haben sich noch nie beschwert bzgl. ihres Taschengeldes.

Wie haben sie angefangen mit sparen?

Gern würde ich erzählen, dass wir mit den Kindern lange Gespräche über Geld geführt haben, Finanz-Bücher für Kinder gelesen haben etc.
Aber das haben wir nicht.

Als wir Erwachsene anfingen uns eingehend mit unseren Finanzen zu beschäftigen, war dies auch oft Thema beim Essen, weil wir hier die Zeit hatten darüber zu reden. Die Kinder haben alles mitbekommen und nachgefragt, wenn sie etwas genauer wissen wollten. Gleichzeitig haben wir Erwachsene uns auch sehr stark mit unseren Glaubenssätzen beschäftigt. Warum konsumiere ich? Was möchte ich kompensieren? Wie werde ich innerlich zufrieden.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass unsere Große uns beim Abendessen fragte: Was verdient ihr eigentlich? Mein Mann platzte sofort raus mit: “Das geht Dich nichts an!” Darauf hin fragte ich ihn: “Wieso nicht?”. Seine Antwort war: “Weil das eben so ist.” Und da waren wir mitten drin in einer Diskussion über Glaubenssätze. Wie sind wir selbst aufgewachsen, warum geht unser Geld niemanden was an?

Ich bin in dem Punkt anders. Wenn es keinen eindeutig nachvollziehbaren Grund für etwas gibt, wird es hinterfragt. An diesem Abend haben wir lange diskutiert und die Kinder haben erfahren was wir verdienen, sie kenne auch unsere Ausgaben und können so viel besser nachvollziehen, warum wir manchmal sagen, dass wir diese oder jene Ausgabe nicht tätigen möchten.

Die Gespräche über den Konsum haben beide Kinder nachhaltig beschäftigt. Sie fingen an zu hinterfragen: Warum gebe ich Geld aus? Für was gebe ich Geld aus? Macht es mich glücklich? Wie lange macht es micht glücklich?

So haben sie sich Stück für Stück finanziell weiter entwickelt. Immer öfter wurde das Taschengeld auf dem Konto nicht mehr angerührt. Wenn die Nonna den Kindern Geld geschenkt hat, wanderte es direkt weiter zu uns mit der Bitte: “Könnt ihr das auf mein Konto überweisen?” Und still, leise und heimlich wuchs das Geld auf dem Girokonto.

Tagesgeldkonten, Ausbildungssparplan, Sparbuch und ETFs

Beide Kinder besitzen ein Tagesgeldkonto auf das auch die Großeltern mit einzahlen, einen Ausbildungssparplan und ein klassisches Sparbuch, welches von der Nonna regelmäßig befüllt wird. Diese drei stehen nicht zur freien Verfügung.

Auf das Tagesgeldkonto geht jeden Monat ein bestimmer Betrag von unserem Konto ein. Dieses Geld ist für alle größeren Anschaffungen gedacht. Das neue Fahrrad mit dem sie zur Schule fahren, der Führerschein der bald ansteht. Aber hier gehen auch größere Geldgeschenke ein, das Geld welches sie zur Kommunion oder Firmung bekommen z.B.

Der Ausbildungssparplan bei der Kreissparkasse läuft bereits eine Weile. Die Verzinsung ist nicht so schlecht wie anderswo UND sie bekommen für eine 1 oder 2 im Zeugnis jedes Jahr 5 Euro oben drauf. Auch für andere Dinge wie den Führerschein, die Einschulung, Mitglied im Sportverein oder einer AG etc. gibt es Geld von der Sparkasse oben drauf. Wir besparen diesen Sparplan mit 15 Euro pro Kind im Monat.

Seit einem Jahr gibt es zusätzlich für beide Kinder einen ETF-Sparplan, den wir bezahlen. Das vergangene Jahr haben wir in einen nachhaltigen ETF investiert. Das kommende Jahr wird in einen klassischen MSCI World investiert.

Zusätzlich wünschen sich beide Kinder von allen Verwandten zum Geburtstag und Weihnachten nur noch Geld.

Führerschein, Gaming-PC und sonstige Wünsche

Unsere Tochter beginnt in diesem Jahr mit ihrem Führerschein. Sie möchte gern den Führerschein ab 17 – begleitetes Fahren – und den Motorradführerschein mit 18 machen. Beides zusammen kostet mehr als 3.000 Euro. Einen Teil haben wir angespart, ein Teil wird vom Firmgeld bezahlt und einen Teil muss sie selbst ansparen.

Ja, wir könnten ihr den Führerschein komplett zahlen, aber das halten wir nicht für richtig. Sie benötigt den Führerschein nicht unbedingt. Sie hat ein Rad, kann öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Wenn Sie den Führerschein machen möchte, muss sie sparen. Kurz vor Weihnachten war es soweit, sie hatte ihren Teil beisammen und ist unglaublich stolz auf sich!

Unser Sohn möchte seit über einem Jahr einen Gaming-PC. Das auserkorene Teil kostet 999,00 Euro. Derzeit fehlen im noch etwas mehr als 100 Euro bis er ihn selbst bezahlen kann. Er hat Ende Februar Geburtstag, ich denke dass es dann soweit ist. Ja, wir könnten ihm einen “Kredit” gewähren. Tun wir aber nicht. Er hat das Geld nicht? Dann muss er warten!

Wir kennen viele andere Familien, wo die Kinder alles bekommen, was sie möchten. Das neuste IPhone, die Smartwatch, Spiele, Gaming-Pcs…
Ich kann verstehen, dass Eltern ihre Kinder “verwöhnen” möchten, vielleicht haben sie selbst einen Mangel erlebt als Kind. Ich halte jedoch nichts davon. Wir handhaben es seit der Geburt der Kinder so, dass wir Ihnen Aufmerksamkeit und Liebe schenken, unbegrenzt. Materielle Dinge jedoch nicht.

Hier geht es auch um Wertschätzung den Dingen gegenüber. Wenn ich sofort das neuste IPhone für 1.000 Euro bekomme, ohne etwas dafür gespart zu haben, wie kann ich es dann ausreichend wertschätzen? Wenn die neuste Konsole sofort da steht, wenn ich sie haben will, wie kann ich dann später geduldig sein, wenn ich etwas möchte, es mir aber nicht leisten kann?

Vor einiger Zeit war ein neues Handy auch bei uns zu Hause Thema. Unsere Große hat das IPhone 7. Es funktioniert tadellos. Allerdings haben einige Mitschüler das IPhone 11 oder 12. Sie fing im Herbst vergangenen Jahres immer wieder an mit uns zu reden, sie hätte gern ein neues Handy. Wir haben uns alle Gründe angehört und immer wieder das gleiche gesagt: Es ist Dein Geld! Wir haben jedoch auch über die Gründe gesprochen, wieso es ein IPhone 11 oder 12 sein muss. Sie hat sich zu dem Zeitpunkt nicht wohl gefühlt, den Kontakt zu sich selbst verloren, durch den schulischen Stress. Das Thema “neues Handy” war etwa 4 Wochen präsent. Viele Gespräche und Diskussionen später ist sie mit ihrem IPhone 7 zufrieden und froh, sich kein neues Handy gekauft zu haben.

Flohmarkt, Ebay-Kleinanzeigen und Co.

Als wir vor Jahren angefangen haben auszusortieren ging das auch an den Kids nicht spurlos vorüber. Wir haben Ihre Zimmer nicht in die Aussortieraktion mit einbezogen, das sind ihre Sachen. Aber nach einiger Zeit fingen sie ebenfalls damit an. Also sind wir auf Flohmärkte gegangen und sie haben ihre Sachen – mit unserer Hilfe – verkauft. Beim ersten Mal waren sie 6 und 8. Auch Ebay-Kleinanzeigen hat sich bei uns bewährt.

Die Kinder möchten etwas unbedingt haben? Muss es dann neu sein? Wenn sie es gebraucht kaufen, kostet es oft deutlich weniger. Unsere beiden wollten Longboards. Wir haben sie gebraucht gekauft und so konnten sie damals einiges an Geld sparen. Wir haben mit ihnen zusammen überlegt, welche Möglichkeiten es hier noch gibt, auch aus Nachhaltigkeitsgründen.

Tipps

Nachfolgend habe ich einige Gedanken aufgeschrieben, die wir uns über die Jahre gemacht haben. Sie haben sich bei uns bewährt.

  1. Geld ist Geld!
    Mach Geld nicht zu etwas Geheimen, etwas Besonderem. Geld wird benötigt um Dinge zu erwerben. Es ist ein Tauschmittel. Ich benötige was zu Essen? Dann tausche ich das gegen Geld. Auch eine kindgerechte Erklärung warum Geld inzwischen als Tauschmittel geläufig ist, hilft. Und auch ein Blick in die Geschichte, als der materielle Wert des Geldes – in Form von Gold – höher war.
  2. Rede mit Deinen Kindern – altersgerecht – offen über Geld.
    Natürlich muss eine 5-jährige nicht wissen, wieviel Du verdienst. Aber dass das Geld, welches aus dem Automaten kommt nicht umsonst ist, kann man auch kindgerecht vermitteln. Dass wir Arbeit gegen Geld tauschen und die Bank dieses Geld nur für uns aufbewahrt verstehen 5-jährige.
  3. Sprich mit Deinem Kind über Konsum.
    Warum kaufe ich etwas? Macht es mich glücklich? Wie lange macht es mich glücklich? Bringt ihnen Geduld bei, nicht alles muss sofort gekauft werden. Manche Dinge erledigen sich von selbst.
  4. Gib Deinem Kind keinen Kredit.
    Wenn es etwas nicht bezahlen kann, muss es warten. Auch wenn es schwer fällt. Dein Kind liebt Dich trotzdem. Und Geduld werden sie ein Leben lang brauchen.
  5. Das Taschengeld gehört Euren Kindern!
    Deine Kinder können mit ihrem Taschengeld machen was sie wollen. Es steht ihnen zur freien Verfügung ohne dass sie Rechenschaft ablegen müssen. Auch wenn Du es als sinnlose Geldausgabe empfindest, wenn sie sich die fünfte Packung Chips kaufen, die Sammelkarten oder was auch immer. ES IST IHR GELD!
    Rede lieber mit ihnen darüber, warum sie sich dies oder jenes kaufen? Ob es sie glücklich macht? Wie lange? Wenn jemand ständig neue Klamotten kauft, steckt oft mehr dahinter. Vielleicht die Frage: Wer bin ich? Oder die Person möchte mithalten, sich besser fühlen etc.
  6. Dein Kind möchten sich etwas kaufen, aber hat das Geld nicht beisammen?
    Nutzt Flohmärkte, Ebay-Kleinanzeigen und Co. Leiht es aus – bei uns in der Bücherei kann man inzwischen auch Spielzeug ausleihen, so kann Euer Kind testen ob das gewünschte Objekt etwas für es ist. Lass es überlegen, wie es sich das Geld verdienen können. Auto putzen bei der Oma? Einkaufen gehen für die Nachbarn? Werdet gemeinsam kreativ.
  7. Sorge finanziell für Deine Kinder vor.
    Das geht auch mit 10 Euro im Monat. So haben Sie später ein Startkapital. Seit unsere Tochter sich mit ETFs befasst, ist ihr Ziel 25,00 Euro im Monat an ETFs anzusparen, nachdem der Führerschein bezahlt ist.
  8. Erkenne Deine Glaubenssätze zum Thema Geld!
    Bearbeite Deine eigenen Glaubenssätze zum Thema Geld. Geld ist nicht gut oder schlecht. Geld ist Geld. Es existieren jedoch so unglaublich viele Glaubenssätze: “Geld macht nicht glücklich”, “Ich kann sowieso nicht mit Geld umgehen”, “Ich muss hart arbeiten für mein Geld”…Hier findet ihr einen schönen Artikel zu dem Thema.
  9. Verbote bringen nichts!
    Es ist Neujahr, ihr wollte abnehmen nach den Feiertagen. Ihr verbietet Euch die Süßigkeiten. Was passiert? Es wird interessant. So geht es auch Kinder. Redet mir Ihnen, aber verbietet nichts.
  10. Sei Vorbild und kümmere Dich um Deine Finanzen!
    Ihr möchtet dass Eure Kinder sparen, geht aber selbst ständig shoppen? So funktioniert das nicht. Kinder ahmen viel nach. Sie lernen durch Vorbild. Also seid das Vorbild. Kümmert Euch um Eure Finanzen.

Fazit

Unsere Kinder haben gelernt zu sparen oder besser gesagt, sie geben ihr Geld nur für Dinge aus, die sie wirklich benötigen, die sie langfristig glücklich machen oder für Erlebnisse. Wir haben immer viel mit unseren Kindern gesprochen, über alle Themen, immer altersgerecht. Wir haben Fragen beantwortet und das wichtigste: Wir hören unseren Kindern zu, sie bekommen unsere Aufmerksamkeit. Und wir sind Vorbilder, was Finanzen, Minimalismus, Konsum und Zufriedenheit angeht. Wenn wir uns wirklich für unsere Kinder interessieren und uns Gedanken machen, was wir ihnen mitgeben möchten, begeben wir uns auf eine wundervolle Reise. Auf dieser können nicht nur die Kinder von uns lernen, auch wir lernen ganz viel. Lasst Euch darauf ein.

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