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Freiheit leben – als Angestellte? Geht das?

Als ich letzte Woche den Beitrag veröffentlichte, wie ich arbeiten möchte, kam in mir die Frage auf: Kann ich ein Leben in Freiheit führen, wenn ich fest angestellt irgendwo arbeite? Bin ich dann frei?

Rahmenbedingungen

Ich arbeite 30 Stunden pro Woche bei einem Unternehmen im sozialen Bereich. Ich habe vier Arbeitsbereiche, bekomme jeden Monat mein Gehalt und nehme auch Arbeitsanweisungen entgegen durch die Geschäftsführung, nicht in allen Bereichen, aber in einigen. Sieht so ein freies Leben aus?

Was ist ein freies Leben?

Wenn in Filmen von Freiheit die Rede ist, sieht man die Menschen nie arbeiten. Freiheit und Arbeiten – das passt nicht zueinander.

Frei sein, machen was Du willst. Keine Zwänge. Wie stellst Du Dir ein Leben in Freiheit vor?

Äußerlich frei!

Freiheit bedeutet meiner Meinung nach nicht, dass ich nicht arbeite.

Wir leben in einem freien Land. Wir können arbeiten gehen und Geld verdienen, uns den Beruf aussuchen der zu uns passt. Oder wir können auch nicht arbeiten gehen, selbst in diesem Fall sind wir sozial abgesichert. Bei uns herrscht weder Krieg noch Diktatur. Jeder Mensch kann seine Meinung frei äußern, egal welche.

Du kannst Dir Deinen Wohnort frei wählen, auch Deine Wohnform. Du möchtest in einem Camper leben auf dem Campingplatz? Das ist möglich. Du möchtest ein riesen Haus mitten im Wald, auch das ist in Deutschland möglich.

Egal zu welchem Geschlecht Du Dich zählst, Du wirst in Deutschland nicht von der Regierung verfolgt. Auch in gesellschaftlicher Hinsicht hat sich viele getan in der queeren Community/ LGBTQIA+!

Jeder Mensch hat in Deutschland die möglichkeit äußerlich frei zu leben, gerade durch die vielen Möglichkeiten.

frei leben

Innerlich frei!

Fühlst Du Dich innerlich frei? Hast Du das Gefühl in Freiheit zu leben. Schränkt Dich Deine Arbeit oder etwas anderes ein?

Jahrelang habe ich mich unfrei gefühlt, auch heute kommt manchmal das Gefühl hoch, ich bin nicht frei. Warum?

Ich arbeite 30 Stunden die Woche, nehmen wir einen ganz gewöhnlichen Tag. Ich stehe 6:00 Uhr auf, wecke die Kids und gehe ins Bad. Danach Küche, Kaffee und Frühstück vorbereiten. Um sieben gehe ich aus dem Haus ins Büro. Arbeiten bis 15:00/ 15:30 Uhr. Auf dem Weg nach Hause einkaufen. Kids sind schon daheim, wollen Dinge mit mir besprechen. Abends ist ein Elternabend. Dazwischen noch Haushalt, Hund und alles andere. Ich falle erschlagen um 22.00 Uhr ins Bett.

Nein, das fühlt sich nicht frei an.

Ändere Dein Denken!

Aber es ist mein Denken, dass ich nicht frei bin. Ich könnte auch später aufstehen, dann müssten die Kids sich alleine fertig machen. Ich habe Gleitzeit, kann später los. Abgesehen davon ob ich das möchte, aber gehen würde es schon. Elternabend? Muss ich nicht hin. Haushalt? Kann auch liegen bleiben. Hund kann ich delegieren.

Ich mache mir den “Stress” selbst. Wenn ich mein Denken ändere, bekomme ich mehr Freiheit.

Nochmal der Tag. Ich stehe um 6:00 Uhr auf, weil es mir wichtig ist den Kindern morgens Frühstück vorzubereiten. Es ist meine Art für sie zu sorgen. Danach gehe ich ins Büro. Meine Arbeit macht mir Spaß und die Mittagspause mit den Kolleg*innen ist total entspannt und wir lachen viel.
Nach der Arbeit besorge ich kurz ein paar Kleinigkeiten, damit wir gemeinsam als Familie zu abend essen können. Uns bedeutet das viel, denn dies ist die einzige Mahlzeit, bei der wir alle anwesend sind. Wir reden viel, nehmen am Tag der anderen Teil und lachen oft.

Ich habe beim schnicken verloren und gehe zum Elternabend. Ich mag Elternabende nicht, weil viel zu viel über Dinge diskutiert wird, die in meinen Augen sinnlos sind. Aber ich möchte Anteil nehmen am Schulleben der Kids, daher ist es wichtig dass einer von uns hingeht. Wenn ich nach Hause komme begrüßt mich Max und der Hund liebevoll. Wir sprechen noch kurz über den Elternabend – also Max und ich, der Hund hält sich raus – und gehen ins Bett.

Zweimal der gleiche Tag, aber mit unterschiedlichem Denken und einem anderen Ansatz. Hier fühle ich mich freier, denn es ist meine Entscheidung dies zu tun.

frei leben II

Lernerfahrung

Ich durfte lernen, dass mein Denken und wie ich die Situation beurteile einen riesen Unterschied macht. Das ist in jedem Lebensbereich so. Bin ich mit mir zufrieden, dehnt sich diese Zufriedenheit auch auf andere Bereiche in meinem Leben aus.

Freiheit leben als Angestellter?

Zurück zu der Fragen. Kann ich als Angestellte*r ein Leben in Freiheit führen?

Ich glaube dass dies möglich ist. Jeder von uns schreibt das Buch seines Lebens selbst. Ich arbeite gern! Auch wenn es beruflich stressige Zeiten gibt oder manche Aufgaben nicht ganz meinen Interessen entsprechen. Aber es steht mir frei, zu gehen oder zu bleiben. Dass ich einem Job nachgehen möchte – egal in welchem Bereich – steht für mich ausser Frage.

Die Freiheit bleibt mir dennoch erhalten. Die Freiheit zu wählen.

Wenn ich nicht festangestellt arbeiten würde, würde ich dennoch etwas tun, ich bin kein Mensch der NUR ausruht/ entspannt oder nichts tut. Ich mag den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Arbeiten und frei haben.

Die meisten Tage stehe ich auf und freue mich auf den Tag. Und ich geniesse die Sicherheit, die mir mein Angestellten-Dasein beschert.

Seit wir das Zeug in unserem Haus rausgeworfen haben, welches wir nicht benötigen, ist mehr Freiheit entstanden. Denn vieles fällt auf einmal weg. Ich muss mich um weniger kümmern. Seit wir uns nicht mehr mit Menschen treffen, nur auf Verpflichtung heraus, weil wir uns eben kennen, ist unser Leben freier und einfacher geworden.

Wir konsumieren nicht mehr sinnlos, das hat uns viel freier gemacht. Gleichzeitig sparen wir viel Geld, das wiederrum hilft uns auf längere Sicht, noch freier zu werden. Denn so können wir uns den Traum von einem Sabbatical erfüllen.

Fazit

Ich bin dankbar über dieses Leben was wir führen. Wir haben uns dieses Leben erarbeitet, mussten durch dunkle Stunden und es war nicht immer einfach, aber wir haben nicht aufgegeben.

Wir sind auf dem richtigen Weg. An manchen Tagen oder in manchen Nächten kommen Zweifel. Aber längst nicht mehr so schlimm wie noch vor 10 Jahren. Und inzwischen wissen wir, wenn es so ist, ist es zu viel im Außen. Dann atmen wir tief durch, canceln ein paar Sachen und schauen was wir gerade brauchen.

Wie geht es Dir? Fühlst Du Dich frei?

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4 Kommentare

  1. Die Freiheiten als Angestellte sind vielleicht einfach nur anders. Ich muss mich beispielsweise nicht um Marketing kümmern, muss keine Aufträge reinholen, nicht für irgendwelche Sachen Werbung machen bzw. Werbung schalten. Ich muss meine Krankenkasse nicht zu 100% selbst bezahlen, habe keine Sorgen um unregelmäßige Geldeinnahmen. – Alles hat halt Vor- und Nachteile.

    • einfachfreileben einfachfreileben

      Liebe Gabi,

      ich sehe es genauso wie Du, es hat deutliche Vorteile als Angestellte*r zu arbeiten. Ich glaube, es kommt immer darauf an, wie die Bedingungen sind.

      Liebe Grüße
      Julia

  2. Ich finde es kommt stark auf die Definition von “Freiheit” an. Natürlich ist man als Angestellter an einiges gebunden, zum Beispiel an die Arbeitszeit oder interne Policies, einiges kann man nicht frei entscheiden sondern muss sich mit Kollegen oder dem Chef absprechen. Ich finde die Arbeit als Angestellte aber nicht verkehrt, denn sie gibt meinem Alltag Struktur. Und nach der Arbeit kann man wieder ganz frei entscheiden, was man tut.

    Viele Grüße,
    Hanna

  3. einfachfreileben einfachfreileben

    Liebe Hanna,

    Du hast recht. Ich glaube, dass man auch als Selbstständige nicht unbedingt frei ist, denn auch da hast Du oft Verpflichtungen, allerdings ist Freiheit immer eine Einstellungsfrage. Ich habe mir in der letzten Zeit viele Gedanken gemacht um meinen Job und wie ich weitermachen möchte. Ich habe sehr viele Freiheiten und das ist schön.

    Liebe Grüße
    Julia

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