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Durch Minimalismus zu mehr Selbstliebe?

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich und meinen Körper gehasst habe. Wenn ich mich im Spiegel angeschaut habe, konnte ich nicht verstehen, wie andere Menschen mich mögen können. Selbstliebe? Fehlanzeige! Ich habe nach Verabredungen mit anderen Menschen stundenlang im Kopf alles noch einmal durchgespielt, wie ich mich verhalten habe, was ich gesagt habe und überlegt, ob irgendwas daran falsch war. Die Menschen in meinem vergangenen Leben hatten ganze Arbeit geleistet und ich habe ihnen geglaubt.

Sätze wie: “Wenn Du zunimmst verlasse ich Dich!” oder “Es ist klar dass Dich keiner leiden kann, so wie Du bist” haben meine Kindheit, meine Jugend und mein frühes Erwachsenendasein geprägt.

Wenn ich heute in den Spiegel schaue, gefällt mir was ich sehe. Ich bin ein Mensch mit Ecken und Kanten und ich bin weit davon entfernt perfekt zu sein. Aber mal ehrlich? Was ist schon perfekt? Der Weg zu mehr Selbstliebe war weit und ich möchte Dir heute zeigen, wie ich es geschafft habe. Ich möchte Dich ermutigen, Deinen eigenen Weg zu gehen.

Wenn Du zunimmst verlasse ich Dich!

Diesen Satz habe ich gehört als ich 18 war. Bei einer Größe von 1,78 m wog ich 60 kg. Damals fand ich mich zu dick. Es gab keine Selbstliebe in meinem Leben. Wäre es so gewesen hätte ich meinen Partner auf den Mond geschossen. Stattdessen habe ich ihm geglaubt und mich selbst auf Diät gesetzt. Ich habe aufgehört zu essen und mehr geraucht, um den Hunger zu unterdrücken. Neben meiner Ausbildung habe ich von Freitag bis Sonntag in einer Disko gearbeitet. Ich benötigte das Geld, welches ich nebenbei verdient habe, um meine Wohnung bezahlten zu können und mit etwas zu essen zu kaufen.

Du kannst Dir bestimmt vorstellen, dass ich immer müde war. Ich hatte keine Zeit zum ausruhen und nun fehlte auch die Energie durch das Essen. Wenn ich doch etwas aß, tat ich dies mit schlechtem Gewissen. Essen entwickelte sich zu einer negativen Erfahrung und ich konnte es nicht mehr genießen. Übrigens nahm ich nicht viel ab, mein Körper hat auf Sparflamme geschalten.

Es ist klar dass Dich niemand mag, so wie Du bist!

Auch diesen Satz habe ich immer wieder gehört. Die ersten 7 Jahre meiner Schulzeit waren geprägt durch Mobbing. Es gab Tage da haben sie mich ignoriert, es gab Tage da haben sie mich körperlich und seelisch angegriffen und es gab Tage an denen sie freundlich zu mir waren. Am schlimmsten war über all die Jahre, dass ich nicht festmachen konnte woran es lag. Ich habe mich immer gefragt, was ich tun muss, wie ich sein muss, damit sie nett zu mir sind. Meine Eltern waren zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt um mir helfen zu können.

Ich habe in den Jahren danach versucht diese Zeit zu verdrängen, manchmal ist es mir geglückt, wenn im Außen viel los war. Wenn ich alleine war, kamen die Gefühle und Gedanken mit aller Macht zurück. Also vermied ich es alleine zu sein und war ständig unterwegs. Aber wie das so ist:

Etwas verdrängen ist vielleicht die einfachste Lösung, aber auf Dauer tötet es Deine Seele!

Isaak Öztürk

Der Beginn meines Weges

Ich würde Dir gern sagen, dass ich auf einmal die Erleuchtung hatte und von da an war alles gut. So war es aber leider nicht. Ich möchte Dich nicht zu sehr langweilen, deshalb gibt es hier die Kurzfassung.

Ich lernte meinen Mann kennen und die ersten Monate waren geprägt vom Verliebtsein. Aber wir hatten beide zu viele Päckchen zu tragen und konnten die Zeit nicht so genießen, wie wir uns das vorgestellt haben. Glücklicherweise sind wir beide recht stur und warentrotz allem der festen Überzeugung, dass wir alles schaffen und dass wir zusammen gehören.

Unsere Tochter kam, zwei Jahre später folgte unser Sohn. Im Verdängen war ich spitze, zwischen Windeln wechseln, arbeiten gehen und Kindererziehung hatte ich nicht viel Zeit zum Nachdenken. Dann sagte meine Seele stopp und ich befand mich in einer Depression. Glücklicherweise fand ich eine Therapeutin die mich verstand, mit der ich voll auf einer Wellenlänge lag. Die ersten Sitzungen waren hart, ich glaube ich habe die ganze Zeit nur geweint. Doch mit der Zeit wurde es leichter.

Als die Therapie nach zwei Jahren zu Ende war, war mir klar, ich möchte auf diesem Weg weiter gehen. Stück für Stück kämpfte ich mich durch all die Tränen, die Glaubenssätze und das Negative hin auf dem Weg zu mehr Selbstliebe, Selbstbewusstsein und Zufriedenheit.

Dann kam der Minimalismus

Hochsensibilität

Die Antwort auf meine Frage oben, warum ich, habe ich gefunden. Ich bin hochsensibel. Ja, ich bin anders. Ich war es schon immer. Von seiten meiner Eltern wurde dies leider als etwas Negatives gesehen. “Hab Dich nicht so” oder “Bist Du heute wieder sensibel” haben mich glauben lassen, dass es eine schlechte Eigenschaft ist. Durch Bücher wie “Außergewöhnlich normal”* oder “Ich spüre was, was Du nicht spürst” von Anne Heintze* habe ich meine Hochsensibilität als Gabe anerkennen können. Ja, ich spüre mehr. Ich bin sensibel. Was anderen leid tut, tut mir bereits weh. Und ja, ich bin glücklich damit.

Aufgrund der Hochsensibilität und der Offenheit gegenüber äußeren Reizen begann ich, unser zu Hause zu verändern. Wir begannen auszusortieren. Da beide Kinder ebenfalls hochsensibel sind, war das der einzige logische Weg.

Aussortieren

Der Vorteil am Aussortieren ist, Du musst Dich mit den Dingen beschäftigen die Du hast. Du musst Dich mit der Vergangenheit beschäftigen, mit allem, was in Deinem Leben präsent ist.

  • Warum habe ich dieses Teil? Irgendwann ist es in mein Haus eingezogen, wieso?
  • Was sagt das über mich? Obwohl ich dieses Teil nicht benutze, habe ich es aufgehoben. Aus welchem Grund?
  • Wie möchte ich sein? Viele Dinge die wir besitzen, haben wir angeschafft, weil wir irgendwie sein möchten. Bei mir war das zum Beispiel der Entsafter. Ich wollte ihn, weil ich frisch gepressten grünen Saft trinken wollte, für mehr Energie, ich wollte gesunder leben. Ich habe tatsächlich zweimal Selleriesaft getrunken. Hast Du ihn schon mal getrunken? Der ist echt….strong.
  • Kann ich es gehen lassen? Viele Dinge die wir besitzen haben einen “Wert” für uns. Materiell oder eben ideell. Ich habe lange meine Malsachen aufgehoben. Ich habe früher viel gemalt, mit Acryl, mit Öl. Aber ich mal seit Jahren nicht mehr. Ich habe auch keine Lust mehr. Aber es hat mich als kreativen Menschen gekennzeichnet. Nach Außen hin konnte ich sagen “Schaut her, ich bin kreativ, ich male”. Oder nehmen wir die Nähmaschine. Ich wollte gern die coole Mama sein, die ihren Kindern tolle Sachen näht. Auch hier, der kreative Aspekt. Aber ich hasse nähen. Trotzdem habe ich die Nähmaschine lange behalten. Jetzt ist sie weg und ich bin unendlich froh.
  • Was macht das mit mir? Was machen die Dinge mit Dir, die Du aufhebst? Im Beispiel der Nähmaschine oder der Malsachen haben sie mein ein extrem schlechtes Gewissen gemacht. Du solltest mal wieder…schau mal, da liegen sie…

Dies bedeutet auch eine Beschäftigung mit Dir und Deinem Innersten. Du hinterfragst!

Und das Haus wurde leerer!

Stück für Stück verschwanden die Dinge, Stück für Stück verschwanden auch meine Verletzungen. Im Herbst 2021 war es dann soweit. Ich begann meine alten Fotos gehen zu lassen. Fotos aus meiner Kindheit und Jugendzeit, aus meiner frühen Erwachsenenzeit, digitale Fotos der letzten 18 Jahre. Ich sah jedes Foto an, spürte ich mich hinein und ließ es gehen.

Bisher durften über 40.000(!) Fotos gehen, analog und digital!

Ich bekam im Gegenzug Zeit geschenkt. Zeit zum Lesen, Zeit um in die Natur zu gehen. Zeit für Yoga und Zeit, die ich mit meinem Mann, meinen Kindern oder meinen Freunden verbringen kann. Und ich bekam viel Zeit für mich. Und mit dieser Zeit die ich mit mir selbst verbracht habe, wuchs meine Selbstliebe.

Zeit für mich – Kakaozeremonie

Seit ein paar Jahren kann ich sehr gut alleine sein. Ich geniesse die Zeit mit mir.

Tipps um Dir Inspiration zu holen

Nchfolgend möchte ich Dir ein paar Bücher, Seiten und Podcasts empfehlen, auf denen ich mir über die Jahre Inspiration geholt habe. Manche Links davon führen zu Amazon, ich kennzeichne diese mit einem *. Bitte kaufe die Bücher bei Dir im Laden um die Ecke, so wird es diesen Laden noch weiter geben. Wenn Du jedoch bei Amazon bestellst, möchte ich, dass Du weisst, ich erhalten für manche Bestellungen eine kleine Provision. Diese liegt zwischen 1-3 Prozent des Einkaufswertes. Das Produkt ist für Dich dadurch nicht teurer.

YouTube Kanäle

Selinatur (YouTube)
Ich folge Selina und ihrer minimalistischen Lebensweise bereits seit Jahren. Sie hat einen kleinen Laden in dem sie plastikfreie Produkte verkauft. Ihre Videos sind wundeschön. Selina hat auch einen Podcast.

Love Peace and Om (Youtube)
Katja porträtiert in Ihren Videos Menschen, die eine reduziertes Leben führen und außergewöhnlich leben. Ein wundervoller Kanal.

Finanzielle Freiheit in 5 Jahren (Youtube)
Auch Linda lebt mit ihrem Partner und ihrem Sohn minimalistisch und strebt die finanzielle Freiheit an. Ich folge ihr von Beginn an und Lindas Entwicklung ist toll.

Dokumentationen

Weit (Dokumentation)*
Gwendolin und Patrick brechen zu einer Reise um die Welt auf. Sie wollen langsam reisen und gehen Richtung Osten um aus dem Westen wieder zurück zu kehren. Eine sehr eindrucksvolle Dokumentatuion die bei mir tiefe Spuren hinterlassen hat. Momentan gibt es den Film noch in der Mediathek von 3Sat bis 17.02.2022.

Margot Flügel-Anhalt
In der Dokumentation “Über Grenzen” * war sie mit 64 mit dem Motorrad unterwegs Richtung Himalaya und über den Iran wieder zurück. Anschließend folgte mit 65 eine Reise in ihrem alten Benz über 18.000 km in Richtung Laos. Nun möchte die 67-jährige am 25. Juli 2022 wieder los mit ihrem Lada Niva in Richtung Polen, Ukraine, Russland, Kasachstan, Kirgisistan, China, Pakistan, Iran und Türkei. Eine sehr beeindruckende Frau, die Mut macht und zeigt was möglich ist, wenn man an sich selbst glaubt und sich von der Meinung anderer nicht beeindrucken lässt.

Bücher

Einfach Leben*
Ein tolles Buch mit vielen authentischen Menschen zu den Themen Minimalismus, Slow living, Zufriedenheit.

Ich kauf nix* von Nunu Kaller
Nunu Kaller macht ein No-Buy-Year und damit ändert sich ihr Leben!

Am Ende der Sehnsucht wartet die Freiheit*
Christine hat alles, doch innerlich spürt sie, es fehlt was. Sie macht sich auf die Reise zu sich selbst. Ein tolles Buch. Ich habe es in einem durch gelesen.

Help Me – 12 Wegen zur Erleuchtung*
Marianne sucht nach dem Sinn ihres Lebens und nimmt den Leser in ihrem Buch mit. Ich musste mehrmals lachen bei dem Buch.

Und es dürfen natürlich die Bücher von John Strelecky* nicht fehlen. Diese Bücher haben mich am meisten inspiriert und diese verschenke ich auch sehr oft. Anfangen hat alles mit dem “Café am Rande der Welt”.

Ich habe einige der Bücher in unserer Bücherei ausgeliehen, schau doch mal bei der Bücherei in Deinem Ort nach.

Auch wenn der Weg lang und tränenreich war, auch wenn ich immer wieder das Gefühl hatte, zurück geworfen zu werden. Es lohnt sich. Ich habe das Leben lieben gelernt, jeden Tag. Nach einem Tief folgt ein Hoch, das Leben ist im Fluss. Ich wünsche Dir, dass Du Dich auch auf den Weg machst. Liebe Dich selbst mit aller Kraft. Nur dann bist Du auch bereit Liebe zu geben. Und unsere Welt braucht viel davon.

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