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Das Leben der Anderen!

Ich erinnere mich an einen Abend im Dezember. Es fuhr kein Bus mehr vom Nachbarort, so dass ich nach Hause laufen musste. Wir wohnen am Ende des Dorfes und ich lief einmal quer durchs Dorf. Es war bereits dunkel und überall waren die Lichter an. Es machte mir Spaß in die Wohnungen und Häuser der anderen Menschen zu schauen und einen Blick zu erhaschen, wie andere leben.

Aber warum interessieren wir uns eigentlich so sehr für das Leben der Anderen? Warum sind wie manchmal neidisch auf das, was andere haben und warum treibt es manche Menschen so weit, dass sie – getrieben durch Neid und Missgunst – andere Menschen nieder machen? Warum treibt uns das scheinbar “perfekte Leben” anderer Menschen an, selbst mehr zu wollen?

Warum interessiert uns das Leben der Anderen so sehr?

Wieso interessiert uns das Leben anderer Menschen so sehr, dass wir Stunden damit zubringen können mehr herauszufinden? Warum schauen wir gern in hell erleuchtete Fenster? Ein Teil ist sicher evolutionär bedingt, aber da ist noch mehr.

Gruppenzugehörigkeit

Wir leben in einem sozialen Umfeld, in einer Gemeinschaft. Und wir möchten gern wissen, wo wir stehen. Sind wir besser, sind wir schlechter?

Evolutionsbedingt haben sich Menschen in Gruppen zusammengeschlossen um ihr Überleben zu sichern, denn in einer Gruppe war man besser geschützt als alleine. Wichtig war hierbei, dass man zu dieser Gruppe passte. Auch heute noch wollen wir in Gruppen passen, also schauen wir nach anderen, wie diese sich verhalten, was sie tun usw. um abzuschätzen, passen wir in diese Gruppe oder nicht?

Unsicherheit und Angst

Menschen möchten anerkannt werden, Lob bedeutet uns viel. Diese Anerkennung können wir uns selbst geben oder von anderen Menschen bekommen. Unsicher und/ oder ängstliche Menschen denken viel darüber nach, was andere von ihnen halten, sie haben Angst nicht anerkannt zu werden. Oft sind die Ängste nicht real, wir überlegen uns, was passieren könnte. Unser Gehirn kann dabei nicht unterscheiden “Ist das nun real oder nicht?”.

Frei machen kann man sich von diesen Ängsten übrigens nicht komplett, da wir soziale Wesen sind. Sonst würden wir nur noch in unserer eigenen Welt leben, wie es z.B. autistische Menschen tun. Aber wir können daran arbeiten, dass unsere Ängste und Unsicherheiten nicht überhandnehmen.

Unzufriedenheit

Wenn wir selbst in unserem Leben unzufrieden sind, schauen wir eher nach anderen. Entweder um uns selbst aufzuwerten, nach dem Motto “Den anderen geht es noch schlechter” oder um uns zu fragen “was mache ich falsch, allen alle anderen haben ein viel tolleres Leben!”

Hier spielen vor allem die sozialen Medien eine große Rolle. Wenn Dir auf Instagram immer wieder das scheinbar perfekte Leben anderer angezeigt wird, während Du in Schlabberklamotten und Schokolade essend bei Regen auf dem Sofa sitzt und Dir langweilig ist, kann es vorkommen, dass Du unzufrieden wirst und dich fragst, warum Dein Leben nicht auch so aufregend ist.

Neugier

Vielleicht bist Du auch neugierig und möchtest gern wissen, was der Nachbar macht? Oder du hast von ihr oder ihm gehört und bist nun neugierig, wie er oder sie so ist. Neugier ist durchaus positiv, denn sie hilft uns zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Negativ wird sie, wenn wir krankhaft neugierig werden und alles über eine Person herausfinden möchten.

Langeweile

Und dann ist da noch die Langeweile. Wir befinden uns in unserem eigenen, vielleicht nicht so spannendem, Alltag. Das Leben der Anderen erscheint und viel reizvoller und aufregender. Vor allem in den sozialen Medien kann man ungeniert schauen, was andere tun.

Was ist positiv daran, nach anderen zu schauen?

Es gibt durchaus positive Gründe, wenn wir danach schauen, was andere Menschen tun.

Weiterentwicklung und Wachsen

Es gibt diese Menschen, die uns unheimlich inspirieren, zu denen wir aufschauen und denken: WOW!

Diese Menschen können uns dadurch, dass sie einfach nur ihr Ding machen, anspornen, uns selbst weiter zu entwickeln. Ich selbst folge einigen dieser Menschen wie z.B. Selinatur oder Frederike von Frieden. Zwei ganz gegensätzliche Menschen in ihrer Art, aber beide leben ihr Leben authentisch.

Oder meine Freundin Sonja, die ich bereits seit vielen Jahren kenne und liebe. Sie ist ein Vorbild in vielerlei Hinsicht, durch ihre Art und wie sie die Dinge anpackt.

Negatives

Doch es gibt auch negatives.

Neid/ Missgunst

Jeder von uns kennt dieses Gefühl, wir sehen das Leben einer anderen Person, sind an dem Tag schlecht drauf und innerlich kommt der Neid hoch: “Boah, das hätte ich auch gern!”

Zuerst mal ist dieses Gefühl gar nicht schlecht, auch wenn uns das immer eingeredet wird. Es zeigt uns deutlich, dass da etwas ist, was gesehen werden möchte. Vielleicht sind wir unzufrieden oder wir haben das Gefühl, wir kommen gerade zu kurz. Daher kann “Neid empfinden” auch etwas Positives sein, wenn wir uns dadurch, dass wir dem nachgehen, weiterentwickeln.

Missgunst ist eine andere Kategorie. Während wir Neid empfinden können und es dem anderen trotzdem gönnen, ist das bei Missgunst anders. Wir gönnen dem anderen sein Glück nicht. Uns wäre es am liebsten, wenn er es verliert oder es ihm abhandenkommt.

Missgunst ist definitiv ein negatives Gefühl, aber es kann uns auch eine Richtung weisen, dass uns etwas fehlt oder wir meinen es fehlt uns etwas.

Minderwertigkeit

Wenn wir zu sehr nach anderen schauen, kann es passieren, dass wir uns minderwertig fühlen oder andersherum, weil wir uns minderwertig fühlen, schauen wir uns das Leben der anderen an uns vergleichen. Beide Seiten sind nicht gut.

Mir wurde während meiner Kindheit oft das Gefühl gegeben, ich bin nicht gut genug, durch Worte und Taten. Lange habe ich mit mir gehadert und mich versucht immer mehr anzuspornen um es anderen recht zu machen. Mein Ziel war, endlich gut genug zu sein. Aber das funktionierte nicht. Ich landete in einer Depression. Nach meiner Therapie schlug ich einen Weg des Wachstums ein und mittlerweile bin ich unabhängiger von der Meinung anderer. Ich weiß, dass ich gut genug bin, einfach weil ich existiere.

Stehenbleiben im Leben

So wie Dich das Leben der anderen anspornen kann zu wachsen, kann es Dich auch hindern. Wenn Du denkst, so gut wirst Du nie oder dies/ jenes erreichst Du nie, bleibst Du vielleicht stehen im Leben und entwickelst Dich nicht weiter.

Mobbing

Eine weitere Form haben wir als Familie am eigenen Leib erfahren. Weil unser Leben nach außen scheinbar “perfekt” aussah – was es natürlich niemals ist, aber das sieht man oberflächlich eben nicht, wurde unser Sohn Opfer von Mobbing durch eine Familie.

Sie haben gelästert, Lügen erzählt und damit Stück für Stück dafür gesorgt, dass die anderen Kinder ihn meiden und die Eltern ihn schlecht behandeln. Vor allem die Frau der Familie war so überzeugend, dass es anfangs niemand in Frage gestellt hat.

Wir haben die Schule gewechselt und sind aus dem Umfeld dieser Familie verschwunden, danach traf es die nächste Familie. Es war eine schwere Zeit und es hat Jahre gedauert, bis unser Sohn und auch wir wieder unbeschwert mit vielem umgehen konnten. Mittlerweile empfinde ich diesen Vorfall nicht mehr nur als negativ, sondern bin auch dankbar, denn wir haben einen enormen Schubs in Richtung Weiterentwicklung bekommen und würden heute nicht dort stehen, wo wir sind.

Wie gehst Du nun damit um?

Aber wie gehst Du nun damit um? Wie kannst Du das Negative verlassen und mehr ins Positive kommen?

Das Leben der Anderen ist oft nicht so perfekt

Mach Dir bewusst, dass kein Leben perfekt ist. Auch der zufriedenste Mensch hat Tage, an denen nicht alles läuft, aber er lässt sich dadurch nicht runterziehen, sondern hakt solche Tage ab und geht weiter seinen Weg. Wenn Du die Freundin, bei der alles scheinbar perfekt läuft, fragst, ob es negative Dinge gibt, wird sie dies bejahen.

Frage Dich, wieso Dir bestimmt Dinge so wichtig sind!

Bist Du unzufrieden mit einem Teil Deines Lebens? Wenn der Kollege mehr Geld verdient als Du und Du Neid empfindest, frage Dich: Wieso ist es Dir so wichtig mehr Geld zu verdienen? Was würde sich bei Dir ändern? Und wenn es Dir wirklich so wichtig ist, geh es an. Erhöhe Dein Einkommen, sprich mit Deinem Vorgesetzten.

Alles nur positiv?

Frage Dich, ob bei anderen wirklich alles nur positiv ist.

Du kennst eine Familie, die ein tolles, großes Haus haben während Du in einer Wohnung lebst. Du wünschst Dir sowas auch. Aber es hat nicht nur die Vorteile, dass mehr Platz ist. Der Aufwand der Reinigung ist höher, ganz abgesehen von den Kosten. Egal um was es sich handelt, alles hat zwei Seiten.

Kultiviere Dankbarkeit

Menschen, die Dankbar sind, sind weniger unzufrieden. Dankbar sein, für das was wir haben, Wer dankbar ist, leidet weniger unter Stress und Ängsten und ist mit seinem Leben zufriedener.

Überlege Dir jeden Tag drei Dinge für die Du wirklich dankbar bist und schreibe sie auf. Nach einer Weile wirst Du spüren, wie gut es Dir damit geht.

Mache Dir bewusst, dass es Anderen viel schlechter geht

Es gibt viele Menschen auf dieser Erde, denen es viel schlechter geht. Es gibt Länder, in denen Krieg herrscht. Menschen hungern und wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Dürrekatastrophen, Überflutungen, Militärgewalt…so viele schlimme Dinge passieren auf dieser Welt.

Wir leben hier ohne Krieg, wir haben ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen. Unsere Kinder können in die Schule gehen, egal zu welchem Geschlecht sie gehören. Wenn wir unsere Arbeit verlieren, fängt uns der Staat auf. Werden wir krank, zahlt die Krankenkasse die Rechnungen und wir erhalten gute medizinische Hilfe.

Wenn wir uns all dies bewusst machen, werden unsere scheinbaren Probleme viel kleiner.

Lass das Lästern!

Lästern setzt negative Energie frei. Wir lästern um andere ab- und uns aufzuwerten. Danach folgt ein Gefühl der Leere. Wir haben ein schlechtes Gewissen und fühlen uns unwohl. Menschen lästern gern über andere, weil dies ein Gefühl der Gemeinschaft erzeugt. Doch es ist einfach nur negativ.

Wenn jemand anders über einen Menschen lästert, klink Dich aus.

Wenn Du nichts Gutes über jemanden zu sagen hast, dass sag lieber gar nichts!

unbekannt

Diesen Spruch habe ich mir zu Herzen genommen. Auch mir passiert es manchmal noch, dass ich in eine Lästerei hineingerate, aber mittlerweile bin ich oft einfach still und nehme mich raus. Über andere Menschen schlechtes zu sagen, wenn diese nicht dabei sind, ist einfach nur doof.

Fazit

Das Leben der Anderen erscheint unglaublich interessant für Menschen zu sein, da wird geschaut, wie der oder die Andere sich verhält. Zum einen ist es Neugier die uns antreibt und – evolutionär bedingt – das soziale Gefüge, welches wir brauchen um zu überleben.

Ich finde es jedoch viel wichtiger, die anderen Menschen ihr Leben leben zu lassen. Jeder von uns hat seine kleinen Probleme und Sorgen, keiner führt ein perfektes Leben. Und gerade diese Unterschiede machen uns liebenswert. Stell Dir vor, alle Menschen wären gleich, hatten den gleichen Geschmack, die gleichen Vorlieben. Wie langweilig wäre diese Welt. Seien wir froh, dass sie bunt und voller unterschiedlicher Menschen ist.

Wenn Du merkst, dass Du unzufrieden mit Deinem Leben bist, kann ich Dich nur ermutigen Dich weiterzuentwickeln und herauszufinden, was Dich unzufrieden macht. Und dann geh Deinen Weg in ein Leben, was zu Dir passt. Hol Dir mehr Spaß in Dein Leben.

Ich wünsche Dir eine schöne Woche.

Namaste Julia

Bild von Hebi B. auf Pixabay 

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2 Kommentare

  1. Ich finde es auch manchmal unglaublich spannend, vom Leben anderer Menschen mitzubekommen. Aber man muss sich hier bewusst machen, dass man immer nur einen Ausschnitt sieht und nie das ganze Bild. Sich zu oft mit anderen zu vergleichen kann daher ungesund sein.

    • einfachfreileben

      Liebe Hanna,

      da geben ich Dir vollkommen recht, vergleichen ist nie gut und die Ausschnitte die man sieht, vor allem im Social Media, sind immer nur ein kleiner (geschönter?) Teil.
      Aber manchmal kann es auch motivierend sein.

      Liebe Grüße
      Julia

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