Wald

Erinnert Ihr Euch an die Sonntage früher? Ich musste als Kind bzw. Teenager immer mit meinen Eltern „spazieren gehen“. Das sah so aus, dass wir losgelaufen sind, meine Eltern haben sich miteinander oder mit Bekannten/ Freunden unterhalten und ich trottete hinterher. Kurz gesagt, es war stinklangweilig, also habe ich mir geschworen, mit meinen Kindern/ Teenagern gehe ich nie wandern. Und was machen wir jetzt? Wir gehen wandern! Aber wir haben gelernt aus der Situation als Kind und gestalten udas Wandern Kinder- bzw. Teenager- gerecht.

Vorurteile zum Wandern!

Gibt man die Begriffe „Vorurteile zum wandern“ in die Suchmaschine ein, kommt direkt: Wandern ist spießig!

Ja, das stimmte, als Kind und Teenager. Ich fand wandern spießig. Lag vielleicht auch daran, dass es eigentlich immer nur – aus meiner Sicht – „alte Leute“ getan haben, mit Hut, Wanderstöcken und Knickerbocker-Hosen.

Wandern ist langweilig!

Oh ja, als Kind definitiv. In der Gegend rumlaufen fand ich furchtbar. Immer wenn ich vom Weg abbiegen wollte Richtung Wald, wurde ich zurück gepfiffen.

Nur „alte Leute“ gehen wandern.

Siehe oben! Als Kind / Teenager dachte ich das wirklich!

Warum hat sich unsere Meinung geändert?

Wir wohnen in einem der Wald-reichsten Gebiete Deutschlands, direkt am Naturpark Schönbuch. Wenn wir zu Hause loslaufen, sind wir innerhalb von 15 Minuten im Wald und haben ein großes Wander-Streckennetz.
Bereits als Kind und Teenager liebte ich den Wald und bin am liebsten stundenlang im Wald gewesen, mit Freunden, ohne Eltern versteht sich. Wir sind quer durch den Wald gelaufen, haben Beeren gegessen, Tiere beobachtet und gespielt.

Unsere liebsten Wanderwege findet ihr hier: Traufgänge schwäbische Alb

Heutzutage liebe ich die Ruhe im Wald, die Stille. Das Rauschen der Bäume, den Geruch. Ich liebe es mich zu bewegen.

Wandern mit Kind / Teenager
Picknick mit Aussicht

Wandern hat viele Vorteile!

Wandern ist gesund

Wer wandert, bewegt sich draußen. Bewegung an der frischen Luft trainiert nicht nur unser Immunsystem, es senkt den Cholesterinspiegel, Puls und Blutdruck sinken und es kräftig unseren gesamten Körper.

Unsere Muskeln, Sehnen und Gelenke werden gestärkt, die Knochendichte erhöht sich und wir trainieren unsere Ausdauer. Ausserdem trainiert es das Gleichgewicht, was heutzutage laut Aussage von Kinderärzten tatsächlich für Kinder und Teenager ein Problem zu sein scheint. Stehen auf einem Bein fällt vielen Kindern schwer.

Wandern ist gut für die Psyche – auch für Kinder und Teenager

Wer wandert, ist glücklicher. Die Stimmung steigt, wir bauen Streß ab, ja auch die Kinder und Jugendliche. Die Produktion von Endorphine im Blut wird angekurbelt und wir fühlen uns nach einer Wanderung entspannt, ruhig und angenehm müde.

Die schönsten Wanderungen sind die in einer größeren Gruppe. Die Kinder sind miteinander unterwegs, wir Erwachsene verbringen ebenfalls Zeit miteinander und das Picknick unterwegs ist toll, wenn jeder etwas beisteuert. Solche Tage sind Balsam für die Seele.

Waldbaden – in Japan als Medizin anerkannt

Wandern im Wald hat noch einen positiven Effekt. Unser Alltag ist oft bestimmt von Stress und Hektik. Termine, Alltag, Soziale Medien… unsere Psyche und unser Körper reagiert mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Wir leben in einer lauten und schnellen Welt. Die Ruhe des Waldes lässt uns tatsächlich Luft holen. Wenn wir den Bäumen zuschauen, wie diese sich im Wind wiegen, oder den Wolken, wie sie vorbei ziehen, werden wir automatisch ruhiger. Wir Menschen sind mit der Natur verbunden und diese tut uns gut. Der Duft im Wald wirkt wie Balsam auf unser Nervensystem. Da sind Vägel die singen, Äste die unter unseren Füßen knacken.

Beim Wandern können wir Zeit gemeinsam genießen.

Unsere Wochen sind gut durchgetaktet. Arbeit, Schule – zum Teil Mittagsschule – Termine, Haushalt. Die Zeit, die wir gemeinsam als Familie verbringen ist rar. Morgens vor der Schule und der Arbeit werden kurz noch Termine besprochen und dann ist jeder auf dem Weg. Bis wir alle zu Hause sind, ist es abends und viel Zeit bleibt dann auch nicht.

Umso mehr genießen wir die Wochenenden. Wenn wir unterwegs sind ist Zeit. Zeit für Gespräche in entspannter Atmosphäre, aber auch Zeit um einmal auf die Zwischentöne zu hören. Um mal zu fragen: Wie geht es Dir eigentlich, ist alles gut? Zeit ohne Handy und Ablenkung. Nur wir. Gemeinsame Erlebnisse sind unserer Meinung nach das Schönste, was man teilen kann. Irgendwann kommt bei uns auf jeder Wanderung: Weisst Du noch? Als wir….und dann lachen wir über Begebenheiten oder reisen gedanklich noch einmal zurück.

Lust auf Wandern bekommen? Hier findet ihr tolle Premiumwanderwege in ganz Europa.

Wandern ist Lernen – nicht nur für Kinder und Teenager

Als ich gehört habe, dass es Kinder gibt, die glauben eine Kuh ist lila oder braune Kühe geben Kakao war ich damals schockiert. Das kann doch nicht sein? Doch, es gibt tatsächlich Stadtkinder, die noch nie eine echte Kuh gesehen haben. Es gibt Stadtkinder, auch hier in der nächstgrößeren Stadt, die noch nie im Wald waren.

Der Wald als Lebensraum bietet eine unglaubliche Vielfalt. Hier gibt es Tiere und Pflanzen in Hülle und Fülle. Wir haben auf unseren Wanderungen oft ein kleines Büchlein dabei, mit dem wir die Tiere oder Pflanzen bestimmen können. Unterwegs raten wir, welche Vögel wir hören, wir helfen Käfern vom Weg runter. Oder wir bestimmen die Himmelsrichtungen mit Hilfe der Bäume. Es gibt so viele Dinge, die nicht nur Kinder und Jugendliche im Wald lernen können sondern auch wir Erwachsene.

Wir trainieren unsere Achtsamkeit

Wenn wir wandernd im Wald unterwegs sind, trainieren wir unsere Achtsamkeit. Es erforderte Aufmerksamkeit im Wald zu wandern. Wir sind mit unseren Sinnen ganz im hier und jetzt. Diese kleine Auszeit – nicht nur vom Alltag sondern auch von Handy, Tablet und Co. macht uns offener und sensibler für die Wunder der Natur. Diese Achtsamkeit und Auszeit vom Alltag hilft uns dabei, im Alltag gelassener zu bleiben. Davon profitieren nicht nur wir sondern auch die Menschen in unserer Umgebung.

Dr. Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater aus Bonn, hat vor in paar Jahren einen Vortrag in der Kongreßhalle Böblingen gehalten. An diesem Abend sprach er darüber, warum die Kinder heutzutage so viel Stress haben und aus welchem Grund sie sich verändert haben, im Gegensatz zu früher. Ich fand den Vortrag sehr interessant und eins ist mir bis heute in Erninnerung geblieben. Er sagte, wir Erwachsene sollen uns einmal Zeit nehmen und für mehrere Stunden in den Wald gehen. Alleine, ohne andere Menschen, Hund und mit ausgeschaltetem Handy. Am Anfang fühle wir uns unwohl, aber bereits nach 2-3 Stunden entspannen wir uns, wir fühlen uns glücklich und frei. Für mich war die Aussage damals ein Aha-Effekt. Und ich kann dieser Empfehlung nur voll und ganz zustimmen!

Auf unserer anderen Website findet ihr einen tollen Erfahrungsbericht zum Wandern im Schwarzwald mit Kindern.

Kinder und Teenager für das Wandern begeistern

Wie können wir nun unsere Kinder und Teenager für das Wandern begeistern, dass es nicht spießig und langweilig ist?

Das erfahrt ihr in Teil 2 meiner kleinen Reihe „Wandern mit Kindern / Teenagern“.

Auch auf Reisen gehen wir wandern. Im vergangenen Jahr waren wir auf den äußeren Hebriden in Schottland mit unserem VW California. Die Erlebnisse findet ihr hier.

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