Strand Lewis Harris

Zwei Wochen lang waren wir in den Pfingstferien 2019 mit unserem VW Bus T5 California in Schottland unterwegs. Von Dover über Edinburgh nach Oban auf die äußeren Hebriden. Wundeschöne weiße Sandstrände, hell bis fast Mitternacht, unberührte Natur und wildromantische Landschaften, das waren unsere Vorstellungen. Nun kommt die Schönste der äußeren Hebriden, Lewis & Harris, zumindest wenn man den anderen glauben darf.

Die Vorbereitungen – Teil 1
Die Anfahrt – Teil 2
Edinburgh – Teil 3
Von Oban nach Barra – Teil 4
Eriskay und Uist – Teil 5

Von Berneray nach Leverburgh

Unsere Fähre ging von Berneray nach Leverburgh. Wir hatten vorreserviert und fanden uns rechtzeitig am Fährhafen ein. Die Kosten für die Überfahrt betrugen glatt 25 Pfund (28,18 Euro). Als wir unser Auto auf der Fähre abgestellt und abgeschlossen hatten, gingen wir nach oben und setzen uns ganz nach vorn um einen tollen Ausblick bei der Überfahrt zu haben.

Der Hund musste im Auto bleiben und durch die Erschütterung und die Bewegungen von Nita – wir hatten vergessen die Alarmanlage im Toni auszuschalten – ging auf einmal die Alarmanlage los. Wir haben das Auto von oben geöffnet, wieder geschlossen und wieder ging die Alarmanlage los, also entschieden wir, das Auto einfach offen zu lassen.

Die Überfahrt war kurz, aber die Strecke war spektakulär. Die Fähre manövriert zwischen vielen kleineren und größeren Inseln im Zick-Zack-durch. Nach einiger Zeit standen wir draußen und haben uns alles angeschaut.

Harris & Lewis

Nachdem wir am Hafen in Leverburgh angekommen sind, fuhren wir ein Stück, haben das Auto dann an der Straße abgestellt und sind mit den Kindern und dem Hund erst einmal gelaufen.

An den Stränden auf den äußeren Hebriden konnte ich mich einfach nicht satt sehen. Am liebsten hätte ich jeden einzelnen besucht. Atemberaubend schön!

Wir sind generell sehr aktiv und bewegen uns gern. Zu diesem Strand sind wir über mehrere Tore gelangt. Das Geräusch der Wellen, der schnelle Wechsel der Wolken, dieser weisse Sandstrand und tausende von Muscheln…einfach toll.

Muscheln

Weiter ging es gen Norden. Wir wollten wieder auf einen Campingplatz, aber einen von dem man das Meer sieht. Unser Ziel war die Horgabost Campsite. Es gibt keinen Strom und keine festen Stellplätze. Man sucht sich einen Platz, 6 m entfernt vom nächsten. Ok. Wir kamen an, alles war voll! Ok, kein Problem, fahren wir halt weiter. Aber auch alle nächsten Camping und Stellplätze waren belegt oder hatten nichts, wo man mal ungesehen verschwinden kann…wir haben ja keine Toilette an Bord.

Park4Night – Stellplatz am Hushinish Beach

Inzwischen hatten wir Hunger, keinen Platz für die Nacht, keinen Bock mehr im Auto zu sitzen und die Laune sank gen Tiefpunkt. Es war fast 20 Uhr abends. Letzte Chance…es gibt einen Stellplatz am Hushinish Beach, sogar mit Toilette, Dusche und Aufenthaltsraum.

Hushinish Beach
Stellplatz am Hushinish Beach

Die Anfahrt war aufregend, da es nur Single-Roads waren und wir auch einige Schafe und Kühe als Gegenverkehr hatten. Als wir ankamen war noch genau ein Platz frei. Die Toiletten und Duschen waren bereits geschlossen, es gab nur noch eine kleine Toilette mit Waschbecken, die jedoch fürchterlich roch und genauso aussah. An diesem Abend machten wir schnell was zu essen, gingen noch einmal zum Strand und waren gegen Mitternacht in unseren Schlafsäcken verschwunden. Der Strand selbst ist wunderschön und gut über eine Treppe zu erreichen. Am Stellplatz gibt es einen Imbiss, zu dessen Öffnungszeiten auch die Toiletten, der Aufenthaltsraum und die Duschen geöffnet sind. Man bittet auf diesem Stellplatz um eine Spende für die Nacht, welche man in eine kleine Box am Stellplatz werfen kann (etwa 5 Pfund).

dreiundzwanzig uhr auf lewis & harris
Es ist viertel nach elf abends und es ist fast noch taghell!

Am nächsten Morgen haben wir uns direkt Frühstück am Imbiss geholt. Es gibt tolle vegetarische und vegane Alternativen, die Preise sind fair und die Imbissfrau sehr nett. Nun konnten wir auch die Toiletten nutzen und die Toilette vom Abend zuvor war nun sauber.

veganes Sandwich Husinis
veganes Falafel-Sandwich vom Imbiss

Wanderung und es regnet in Strömen

Wir wussten, dass es hinter dem Stellplatz einen Wanderweg gibt und der führt – über den Berg – zu einem tollen, sehenswerten Strand auf Harris & Lewis. Also los. Sie hatten zwar etwas Regen vorausgesagt, aber in Schottland ist der Regen sehr schnell vorbei. Dachten wir. Wir waren etwa eine Stunde unterwegs als es sich einregnete. Der Weg war inzwischen sehr rutschig und wir mussten wirklich aufpassen wo wir hintreten.

Weg Lewis Harris
Der Wanderweg war wirklich spektakulär!
Distel

Angekommen am Strand faltete ein Mann gerade sein Zelt zusammen, er hatte hier draußen, völlig abgeschieden, alleine übernachtet. Ich bewunderte ihn für seinen Mut, auch die Kinder waren sehr erstaunt. Ein kurzes Bild am Strand und auf ging es zurück. Denn es regnete nun in Strömen und wurde nicht weniger. So hatten wir uns das irgendwie nicht vorgestellt und wir sehnten uns nach Deutschland, nach unserem Haus. Platz, Wärme und Schutz bei Regen. An diesem Tag haderten wir, ob es die richtige Entscheidung war ausgerechnet mit einem T5 California zu Viert mit Hund auf die äußeren Hebriden zu reisen, da das Wetter hier so unbeständig war. So schön unsere Reisen sind, nicht alles ist immer eitel Sonnenschein. Wir müssen uns oft anpassen, Absprachen treffen, Streit schlichten, denn manchmal bekommen wir echt einen Toni-Koller und sehnen uns alles danach, mal alleine zu sein. So sehr wir das Zusammensein genießen, so sehr gehen wir uns manchmal auch auf die Nerven.

Zurück am Stellplatz flüchteten wir in den Aufenthaltsraum, haben uns einmal komplett umgezogen und dann kam etwas, was uns wieder versöhnt hat. Am Imbiss gab es eine Tagessuppe für gerade mal ein paar Pfund, Linsen-Staudensellerie. Und die Suppe war der Knaller. Mit wie wenig ein Mensch doch zufrieden sein kann, wenn er aus einer solchen Situation – bis auf die Knochen durchnässt, müde, geschafft und genervt – kommt. Wir haben hier ein sehr nettes Pärchen mit zwei Hunden kennengelernt und uns gut unterhalten. Unsere Klamotten lagen zum Trocknen bereit und wir liessen uns unsere Suppe schmecken.

Laxdale Camping Harris & Lewis

Am Nachmittag fuhren wir weiter. Überall im Toni lagen unsere Klamotten ausgebreitet, damit diese trocknen können. An diesem Tag wollten wir zum Laxdale Camping Harris & Lewis, dieser hatte sowohl Waschmaschinen als auch Trockner und die brauchten wir dringend. Als wir ankamen hiess es: Full booked!

Es gäbe jedoch noch Platz etwas weiter weg auf einer Festival-Wiese, dort hätte es allerdings nur Toiletten. Ok, besser als nichts. Zum Duschen und Wäsche waschen mussten wir eben die 5 Minuten hoch laufen auf den Camping. Wir hingen zuerst unsere ganzen nassen Sachen auf, wir standen an einem Zaun und dann kam die Sonne raus. Ab zum Wäsche waschen, Abendessen machen und duschen.

Am kommenden morgen fuhren wir weiter. Unser Ziel war heute das Na Gearrannan Blackhouse Village. Dieses Museums-Dorf auf Harris & Lewis zeigt, wie die Bewohner um 1900 gewohnt haben.

Was uns auf den äußeren Hebriden völlig abhanden kam, war ein Gefühl für die Wochentage, denn heute war Sonntag und das Museum hatte geschlossen. Wir hatten nicht einmal darüber nachgedacht. Also sahen wir uns das an, was man sich anschauen konnte, wanderten noch einmal zum Meer und fuhren weiter. Wir wollten ganz in den Norden, an die nördlichste Spitze von Lewis & Haaris. Hier gibt es einen Leuchtturm und nach Norden nur noch die unendliche Weite des Meeres.

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Wie erwähnt, es war Sonntag und an dem Leuchtturm war so viel los, das wir zuerst nicht mal einen Parkplatz fanden. Zum Glück für uns wollten die meisten Menschen nur schnell ein Foto vom Leuchtturm machen und weiterfahren, da es kalt und windig war. Wir konnten nach einiger Zeit einen Parkplatz ergattern und zogen los. Die Klippen hier oben sind ungeschützt, es geht tief runter und mir wurde immer ganz mulmig, wenn die Kinder oder Hund zu nah an die Klippen liefen. Wir machten eine große Wanderung, setzen uns auf die herumliegenden Steine und genossen die unendliche Weite, das Meeresrauschen und die Stille.

an der nördlichsten Spitze auf Lewis & Harris
Lewis & Harris

Endlich allein – wir stehen frei!

Nach zwei Stunden fuhren wir weiter, denn wir brauchten einen Schlafplatz und diesmal wollten wir alleine und frei stehen. Nach kurzer Suche fanden wir einen tollen Platz. Wir stellten uns hin, öffneten das Dach vom Toni, damit alles ein wenig abtrocknen kann und dann kam die Sonne raus. Die Kinder spielten, Max und ich saßen mit Blick aufs Meer in der Sonne und wir wussten in diesem Moment, dass es die richtige Entscheidung war diesen weiten Weg auf uns zu nehmen.

Am kommenden Tag sollte unsere Fähre zurück aufs Festland gehen. Vorher wollten wir uns noch die Callanish Stones, einen Steinkreis in der Nähe, anschauen. Seit Diana Gabaldons „Highland Saga“ und meiner ersten Reise nach Schottland faszinieren mich Steinkreise. Auch die Callanish Stones sind sehr sehenswert. Wir haben ein bisschen das Gelände erkundet, Fotos gemacht, waren noch kurz im Shop und im Café und dann ging es los Richtung Storniway zum Fährhafen.

Frühstück
Frühstück im Toni

Stornoway und Fähre nach Ullapool

In Stornoway angekommen sind wir noch einkaufen gegangen und haben dann am Fährhafen im Auto gegessen, den Wassertank vom Toni noch einmal aufgefüllt und gewartet, dass wir auf die Fähre dürfen.

Diesmal war es wieder eine größere Fähre, bei der die Autos im Bauch abgestellt werden, der Hund durfte mit an Board und schlief fast die ganze Zeit. Unsere Nita war nur noch richtig müde, von der frischen Luft und der Aufregung. Zu Hause geht es eben ruhiger zu.

Die Überfahrt aufs Festland verlief ruhig und wir waren ein wenig traurig, dass das Wetter – im Gegensatz zu den letzten Jahren – wirklich schlecht war.

Auf Uist haben wir uns gefragt, was uns auf den äußeren Hebriden fehlt. In Stornoway ist es uns aufgefallen. Es gibt kaum Bäume auf den äußeren Hebriden. Bis auf den kleinen Park für den Bären Hercules haben wir nirgends einen Wald oder ein kleine Baumgruppe gesehen. Stornoway war voll davon und da wusste ich, der Rest Schottlands gefällt mir so gut wegen der Bäume.

Weiter geht unsere Reise über Inverness mit Culloden Battlefield. Wir besuchen einen weiteren Steinkreis, fahren zum Loch Ness, schauen uns den Caledonian Canal mit seinen Staustufen an bevor es wieder Richtung Dover zur Fähre geht. Das alles findet ihr in Teil 7 unserer Reihe „Mit dem VW Bus nach Schottland“.

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