Uist

Schon lange habe ich davon geträumt, die äußeren Hebriden zu besuchen. Mit unserem VW Bus T5 California wurde dieser Traum wahr. In den Pfingstferien 2019 sind wir zu Viert mit Hund auf die äußeren Hebriden gefahren. Hier folgt Teil 5 unserer Reise. Wir setzen von Barra über nach Eriskay und fahren weiter nach Norden.

Hier findet ihr die anderen Teile dieser Serie:
Die Vorbereitungen- Teil 1
Die Anreise – Teil 2 – die Anreise
Edinburgh – Teil 3
Von Oban nach Barra – Teil 4

Von Barra nach Eriskay

Wir standen im Tourismus-Office. Wieder die gleiche Aussage wie am Tag zuvor: The Ferry is full booked!
Wir könnten es gern versuchen, ob ein Platz frei würde, direkt am Hafen.

Ich war schon wieder etwas nervös. Wir hatten ja schliesslich nur begrenzt Zeit in diesen Ferien. Nachdem wir uns gemeinsam entschieden haben, es am Hafen zu versuchen, sind wir direkt zum Ableger gefahren. Zahlen kann man übrigens auch auf der Fähre.

Am Hafen gab es ein kleines Wartehäuschen, mit einem Imbiss. Hier haben wir uns einen Kaffee gekauft, der schottische Kaffee ist aber leider nicht der Beste. Und dann hiess es warten. Scheinbar hatten alle anderen vorher reserviert. Die anderen Fahrzeuge fuhren auf die Fähre und diese füllte sich zunehmend. Wir durften als allerletztes auf die Fähre und haben gerade so noch einen Platz ergattern können. Zum Glück haben wir Toni, der passte wirklich Millimetergenau auf die Fähre.
Max ging hoch ins Büro auf der Fähre, die Überfahrt zahlen: 70,02 Pfund (78,76 Euro).

Auf dieser Überfahrt musste Nita im Auto bleiben. Wir haben uns die Zeit vertrieben, indem wir die restlichen Überfahrten, von Uist nach Lewis & Harris und dann von Stornoway zurück aufs Festland gebucht haben, online.

Auf Eriskay angekommen, haben wir das Auto direkt am Hafen abgestellt, den Müll entsorgt und sich erst einmal ein Stück gelaufen. Das Wasser hatte so eine wunderschöne Farbe und der Strand war so unglaublich weiss!

Hafen von Eriskay
Oberhalb des Hafens von Eriskay

Windig und kalt – immer noch!

Auch hier war es sehr windig und sehr kalt, so dass wir froh waren wieder im Auto zu sein. Da es erst mittags war, hatten wir noch jede Menge Zeit. Doch zuerst machten wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt, den fanden wir in Daliburgh. Zum Glück gibt es auch hier vegetarische Sandwiches. Überhaupt waren wir sehr erstaunt über das wirklich hervorragende Essen in den Imbissen und Restaurants.

Sandwich
vegetarisches Sandwich aus dem Supermarkt mit Falafel

Moorcroft Camping Uist

Weiter ging es! Wir brauchten einen Schlafplatz für die Nacht. In Schottland ist Wildcampen erlaubt und auch erwünscht…in Schottland…nicht auf den äußeren Hebriden. Der Tourismus hatte seine Spuren hinterlassen, überall standen Schilder mit „No Overnight Parking“. Also fuhren wir einen Campingplatz an. Der Wind wurde immer stärker, es fing an mit regnen und die Internetverbindung war so gut wie nie vorhanden.

In Carinish wurden wir fündig. Der Moorcroft Campingplatz von Ian and Catriona liegt direkt am Meer. Was uns hier vor allem aufgefallen ist, es waren wirklich viele Radfahrer unterwegs. Auf den äußeren Hebriden gibt es die Hebridean Way Fahrradroute, 297 km über die Inseln. Die Radfahrer übernachten in Zelten, so auch auf dem Moorcroft Campingplatz. Wir haben drei der Radfahrer auf dem ganzen Weg über die Inseln immer wieder gesehen.

Der Camping selbst verfügt über kleine Stellplätze mit Strom auf einem Schotterplatz. Toiletten und Duschen sind zentral in einem kleinen Haus. Es gibt eine Camperküche und einen Aufenthaltsraum.

Moorcroft Camping
Stellplatz auf dem Moorcroft Camping mit Blick aufs Meer

Hatte ich erwähnt dass es windig war? Und kalt?
Trotz allem sind wir vom Camping durch ein Gartentürchen runter ans Meer. Es war Ebbe und wir konnten hier vieles entdecken. Wattwürmer, Tiere die über den Sand huschen, ein verfallenes Haus, welches die Kinder unbedingt erkunden wollte…wir waren eine ganze Weile unterwegs. Und es gab – natürlich – Schafe.

Wir schlafen zu Viert unten im Bus

In dieser Nacht war der Wind so stark, dass wir das Dach vom Toni nicht aufmachen konnten, weil wir Angst hatten, dass es uns das Gestänge verbiegt. Also musste wir irgendwie improvisieren. Die Schlaffläche unten beträgt in der Breite 1,15 m. Max und ich passen gerade so hin, noch zwei Kinder dazu ist unmöglich.

Wir haben de Fahrer- und Beifahrersitz umgedreht und ganz zurück geschoben Richtung Vorderscheibe, auf die Fläche zwischen den Sitzen und der Schlaffläche haben wir unsere Klamottenboxen* gestellt. Darüber alles was wir hatten, Decken, Jacken, Bücher etc., so dass sich etwa eine gleichmäßige Höhe ergab. Unsere Matratze – wir schlafen im Toni auf einer extra Matratze* – wurde darüber gelegt. Nun hatten wir zwar eine kleine Freifläche am Heck, aber in diese haben wir unsere Kissen* gestopft. Irgendwie haben wir es hinbekommen und die Nacht war wirklich abenteuerlich, wie im Ferienlager.
Wir haben alle vier noch lange miteinander geredet, Geschichten erzählt und gelacht und die Nacht war sogar erstaunlich harmonisch. An diesem Punkt hat sich wieder gezeigt wie wandelbar der VW T5 California ist und welch ein Raumwunder.

Alle vier unten im Toni
Überall Beine, Handtücher und Schlafsäcke

Hercules, the Bear

Wir haben von andern Campern den Tipp bekommen, dass es in der Nähe einen kleinen Park gibt, den wir mit den Kindern besuchen könnten. Nach dem Frühstück und noch einem Abstecher zum Meer – es war wieder Ebbe – fuhren wir also weiter. Auf unserem Weg zu einem Postoffice – wir wollte Postkarten kaufen – kamen wir an dem eingezäunten Gelände vorbei. Auf dem Rückweg haben wir angehalten.

Dieser Park ist Hercules, einem Bären, gewidmet. Hercules war Schauspieler und ist in dieser Gegend bei Filmaufnahmen ausgebüxt. Er wollte die Gegend erkunden. Die Sorge, dass er Menschen oder Tier angreift, weil er Hunger hat, war gross. Als man ihn fand, war er halb verhungert und hatte nicht einer Fliege was zu leide getan. Innerhalb des Parks gibt es verschiedene Stationen, an denen man sich eigentlich einen Stempel abholen kann, allerdings waren entweder die Stempel oder die Stempelkissen nicht mehr da, so dass wir beschlossen haben, einfach etwas zum tauschen für die nächsten Besucher dazulassen. An der letzten Station war unser Tauschvorrat erschöpft.

Ich kam auf die Idee unsere Adresse dazulassen und die Besucher zu bitten, uns eine Postkarte zu schreiben. Max fand die Idee nicht so gut, aber die Kinder waren Feuer und Flamme. Also war er überstimmt.

Als wir knapp zwei Wochen später wieder zu Hause waren, war bereits eine Karte da. Innerhalb von einer Woche kam eine zweite Postkarte. Wir haben uns so sehr darüber gefreut und beide Karten haben einen Ehrenplatz in unserem Wohnzimmer.

Hercules the Bear

Nach einer ausgiebigen Wanderung rund um den Park, auf die nächste Anhöhe und dem Besuch des Grabhügels Barpa Langais sind wir wieder zum Auto und hatten Hunger. Und was für welchen.
Auf unserem Weg weiter Richtung Norden machten wir Halt in Claddach Kirkibost. Hier gibt es ein Café mit WLAN und einem kleinen Laden.

Am Ende der Seite haben wir Euch eine kleine Galerie eingefügt mit den schönsten Fotos von Uist.

Das Kirkibost Café – ein kleines Juwel

Und was wir hier fanden….wir haben die Tagessuppe mit Sandwich bestellt (vegetarisch) für etwa 5 Pfund pro Person… war der Himmel auf Erden. Die Tagessuppe war eine Linsensuppe und das Sandwich war mit Käse und Cole Slaw. Das Essen war so hervorragend, dass wir heute noch davon schwärmen.

„No Overnight Parking“

Für die Nacht sollte es – auf Grund unseres Budgets – wieder ein kostenfreier Platz sein, allerdings erwies sich das als wirklich schwer. Überall standen die „No Overnight“- Schilder. Der Campingplatz, den wir schließlich ansteuerten war voll. Was jetzt?

Über Park4Night gab es noch einen kleinen Platz, auf den 3 Wohnmobile passen, direkt am Meer bei Hougharry. Wir versuchten unser Glück und es war tatsächlich noch ein Platz frei. Ein eingezäunter Platz direkt am Meer. Das Schild am Zaun informierte uns, dass wir 5 Pfund die Nacht zahlen sollen und das Geld direkt in den Briefkasten werfen dürfen.

Stellplatz Hougharry

Nach einer ausgiebigen Wanderung am Strand entlang gingen wir nach dem Abendessen ins Bett. Am nächsten Morgen regnete es. In Schottland regnet es öfter, das ist bekannt. Allerdings immer nur kurz, da der Wind die Wolken schnell über die Inseln treibt. Heute nicht, heute regnete es durchweg. Unsere Fähre nach Lewis and Harris ging am Nachmittag und so verbrachten wir den Vormittag lesend, spielen und kichernd im Auto.

Berneray Shop & Bistro

Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg nach Berneray, zum Fährhafen. Es regnete immer noch und es war windig, so dass wir uns entschieden am Hafen in das kleine Café zu gehen. Zum Glück konnten wir einen der Plätze ergattern, normalerweise muss man hier reservieren um einen Platz zu bekommen, vor allem bevor die Fähre geht. Das Essen hier war mal wieder hervorragend. Ofenkartoffel mit Chips, Salat und Cole Slaw, dazu Tee. Wer auch immer sagt, das schottische Essen ist nicht gut, war noch nie auf den äußeren Hebriden.

Dank der Reservierung gab es diesmal keine Probleme mit einem Platz auf der Fähre. Wir haben für die Überfahrt nach Leverburgh 25 Pfund (28,18 Euro) bezahlt und hofften immer noch auf besseres Wetter.

Auf dem Moorcroft Camping hat sich Max mit einem Engländer unterhalten, der jedes Jahr auf die äußeren Hebriden fährt. Er sagte, dass er in den 20 Jahren, die er regelmäßig hierher kommt, noch nie so schlechtes Wetter erlebt hat. Soll das ein Trost sein? Wir hatten inzwischen tatsächlich einen kleinen Lager-Koller. Zu viert in einem kleinen VW Bus ist nicht ohne. Vor allem wenn das Wetter nicht dazu einlädt die Zeit draussen zu verbringen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und immerhin gab es keine Midges.

FAZIT Uist: Uist ist wunderschön, aber uns hat etwas gefehlt. Wir haben die ganze Zeit überlegt was es war, kamen aber tatsächlich erst in Stornoway darauf. Lasst Euch überraschen. In Teil 6 setzen wir von Uist nach Lewis & Harris über.

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