Boot

Unsere Reise mit unserem VW Bus zu den äußeren Hebriden war wirklich etwas ganz besonderes. Unser Mantra dieser Reise: Raus aus der Komfortzone. Campen ist toll, wenn es warm ist und man viel Zeit im Freien verbringen kann. Aber wenn es wirklich kalt ist und windig, wird das ganze zu viert tatsächlich zu einer Herausforderung. Hier kommt nun Teil 4 – wir reisen von Oban auf die äußeren Hebriden nach Barra.

Mu dheireadh air an t-slighe gu Barraigh

Endlich, endlich sollte es losgehen Richtung äußere Hebriden. Jahrelang habe ich mir Fotos von paradiesischen Stränden angeschaut, von der unendlichen Weite und Ruhe geträumt. An die Menschen gedacht, die noch gälisch sprechen. Kurz gesagt – Barra, Uist, Harris und Lewis waren ein Traum und endlich war es soweit.

Oban
Oban, das Tor zu den äußeren Hebriden

Von Oban nach Barra

Bevor wir in Oban ankamen um mit der Fähre auf die äußeren Hebriden überzusetzen, haben wir eine Tankstelle angesteuert, zum Tanken und für ein weiteres wichtiges Utensil. Vor der Abreise nach Schottland habe ich meiner Familie gesagt, es kann kalt werden, 10 Grad und kälter, dazu Wind. Nehmt Euch dicke Sachen mit. Was sie nicht mitgenommen haben, waren Mützen und ein Schal. In der Tankstelle haben wir zwei schicke blaue Schottland-Mützen erstanden, denn kalt und windig war es wirklich. Ich habe meine Mütze dann mit Max getauscht und die super Schottland Mütze genommen.

äußere Hebriden Schottland

In Oban angekommen, sind wir direkt zum Büro von CalMac-Ferries. Und nun kommt das, was ich nie geglaubt hätte. Es war kein Platz mehr frei auf der Fähre, nicht heute und auch nicht morgen. Ausgebucht.

Wir könnten es direkt am Anleger versuchen, vielleicht bekommen wir noch einen Platz. Ansonsten sollen wir reservieren für übermorgen. Wir haben die erste Option genommen und haben ein Ticket bekommen. Für die Überfahrt mit unserem VW T5, 2 Erwachsene, 2 Kinder (13 und 11 Jahre) und einen Hund haben wir 115,10 Pfund gezahlt (129,47 Euro) – einfache Fahrt.

Leider bin ich ein Mensch, der mit solchen Überraschungen nicht so gut klar kommt. Am liebsten buche ich alles schon ewig im Voraus und weiss dann, dass ich auf jeden Fall mitkomme. Diesmal wollten wir spontan sein, das hatten wir jetzt davon!

Da wir noch Zeit hatten, bis die nächste Fähre fuhr, sind wir einkaufen gegangen, auf Barra gibt es, wenn, dann nur kleine Läden. Eine Stunde vor Abfahrt der Fähre waren wir am Anleger und hatten Glück. Wir kamen mit. Es geht tatsächlich auf die äußeren Hebriden.

Der VW Bus wurde – wie bei anderen Fähren auch – im Bauch abgestellt. Der Hund durfte mit hoch. Hier gab es einen extra Raum, in dem man sich mit Hund aufhalten musste. Der hatte den Charme eines Bahnhofs, aber hey…wir waren unterwegs von Schottlands Festland auf die äußeren Hebriden.
Ein paar Minuten bevor wir in den Hafen von Barra – in Castlebay – einliefen, wurde es plötzlich sehr unruhig und wir hatten zuerste keine Ahnung warum! Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns, unsere Fähre wurde bei der Einfahrt in den Hafen tatsächlich von Delfinen begleitet. Kann ein Tag besser enden?

Nita auf der Fähre zu den äußeren Hebriden

Vatersay und der Müllwagen Dennis

Angekommen im Hafen machten wir uns direkt auf den Weg nach Vatersay.

Lange bevor wir auf die äußeren Hebriden gefahren sind, haben wir uns eine Dokumentation über diese außergewöhnlichen Inseln angeschaut. In der Dokumentation kam auch Vatersay vor und der Müllwagen Dennis. Besonders lustig fanden die Kinder, als der Müllwagenfahrer geschwärmt hat, dass Dennis alles vollautomatisch macht. „Mama, das ist doch normal!“ Ja, hier schon, auf Vatersay ticken die Uhren anders. Ab diesem Zeitpunkt war klar, Vatersay wird Teil unserer Reise.

Vatersay auf den äußeren Hebriden
Vatersay

Hier gab es – laut unseren Recherche und Park4Night – einen Stellplatz direkt am Meer mit Toilette. Wir waren schon recht spät dran.
Als wir ankamen, traf uns fast der Schlag. Alle Stellplätze voll mit großen Wohnmobilen. Wo war die Ruhe und die Weite, die ich mir vorgestellt hatte? Wir fuhren ein Stück die Straße weiter und zwischen zwei Wohnmobilen war noch eine kleine Lücke frei, in die wir uns ohne Probleme reinstellen konnten. Schlafplatz für die Nacht gesichert. Nachdem wir was gegessen hatten, sind wir direkt an den Strand. Türkisfarbenes Wasser, weißer Sandstrand, wir hätten denken können, wir sind in der Karibik, wenn es nicht so kalt und windig gewesen wäre. Und hier war sie dann endlich, die Ruhe. Während es alle anderen Camper vorzogen, in den Wohnmobilen zu sitzen, ihre Satellitenschüsseln auszurichten und fern zu sehen, waren wir die einzigen die draußen unterwegs waren.

am Strand von Vatersay auf den äußeren Hebriden
Hinter der kleinen Düne wartet das Meer und weisser Sandstrand

In einiger Entfernung gab es eine kleine Anhöhe, auf die wir rauf klettern wollten. Auch um zu schauen ob wir den Müllwagen Dennis sehen. Also los!

Auf einmal kamen lauter Kühe auf uns zu. Diese laufen in Vatersay überall frei rum, runter von der Insel konnten sie ja nicht. Und Sie hatten Kälbchen. Max hat sofort den Hund losgemacht, da erst kurz vorher die Nachricht durch die Presse ging, dass eine Wanderin in Österreich von Kühen niedergetrampelt wurde, weil sie einen Hund dabei hatte und diesen nicht frei laufen lies. Nita hatte einen Heidenangst vor den großen Tieren und machte einen riesen Bogen.

Kühe auf Vatersay

Vatersay ist ein wirklich kleines Dorf. Laut der Doku wohnen hier gerade mal 100 Personen. Wir sahen keinen einzigen Menschen und hatten die ganze Zeit das Gefühl, es ist wie ausgestorben. Es war bereits 22 Uhr und die Sonne sollte bald untergehen. Wir standen hier, auf dem kleinen Berg, konnten über Barra schauen…es war atemberaubend schön. Wir haben uns schon lange nicht mehr so frei gefühlt. Der Alltag war weg und wir waren einfach nur glücklich. Leider haben wir Dennis nicht gefunden, aber wir kommen bestimmt wieder.

Blick von der Anhöhe
Es ist fast 23 Uhr und die Sonne geht gerade unter

Stürmische Nacht und ausgebuchte Fähre nach Eriskay

Die Nacht war wieder sehr stürmisch, Toni hat gewackelt und wir haben sehr schlecht geschlafen. Am Morgen entschieden wir uns, direkt zum Hafen zu fahren und zu schauen wie es mit der nächsten Fähre nach Eriskay aussieht. Barra selbst ist sehr klein und wir wollten weiter. Und hier die gleiche Aussage, alles ausgebucht. Die äußeren Hebriden schienen dem Massentourismus verfallen zu sein.

Noch eine Nacht wollten wir hier nicht bleiben, da es wirklich sehr windig und kalt war. Wir hofften, weiter im Norden, einen Stellplatz zu finden, auf dem es nicht so heftig windete und wir mit Toni mehr Schutz hatten.

Singleroad auf den äußeren Hebriden
Typische Singleroads in Schottland

Ursprünglich hatten wir vor, uns noch den Flughafen von Barra anschauen. Hier landet das Flugzeug direkt auf dem Strand, angepasst an die Gezeiten des Meeres. Allerdings war, laut Aussage der Frau im Tourismus-Office, nicht klar, ob das Flugzeug bei diesem Wind überhaupt landet. Also wieder das gleiche Prozedere wie in Oban, beim Fährhafen anstellen und schauen ob wir Glück haben und mitkommen.

Wieder hatten wir Glück und kamen mit. Aber nochmal wollte ich das ganze nicht. Wir buchten die restlichen Fähren online vor. Das hatte den Nachteil, dass wir gebunden waren. Aber den Vorteil dass ich besser schlafen konnte. Raus aus der Komfortzone wurde definitiv das Mantra unseres Urlaubs…

Was mich überrascht hat, die äußeren Hebriden wurden als Paradies der Stille gepriesen. Weite Landschaft, kaum Menschen. Leider schienen sämtliche englische Rentner in ihren wirklich großen Wohnmobilen hier zu sein. Allerdings sah man so gut wie keinen Menschen außerhalb der Wohnmobile. Wir waren hierher gekommen, wegen der Natur, die wirklich spektakulär ist.

Im nächsten Teil nehmen wir Euch mit nach Eriskay, weiter nördlich. Teil 1 unserer Reihe findet Ihr hier.

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